Mein Herz schlägt links
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ich versuche Ihnen möglichst viele Informationen aus Lateinamerika hier zu geben, weil ich auch die Ansicht vertrete, dass in dieser Region unserer Welt wichtige politische Entwicklungen stattfinden.

Viel Spaß wünscht Ihnen
Carsten Hanke


06.02.2012 / Ausland /junge Welt

ALBA wächst

Haiti, Surinam und Santa Lucia wollen Staatenbund beitreten. Gemeinsamer Wirtschaftsraum geplant

Von Modaira Rubio, Caracas
Die Bolivarische Allianz für die Völker Unseres Amerikas (ALBA) wächst. Am Sonntag wollten in Caracas der Präsident von Surinam, Desi Bouterse, und der Ministerpräsident des Karibikstaates Santa Lucia, Kenneth Davis, offiziell den Beitritt zu dem antiimperialistischen Staatenbündnis beantragen. Auch der Präsident von Haiti, Michel Martelli, unterstrich in der venezolanischen Hauptstadt noch einmal das Interesse seines Landes an einer Vollmitgliedschaft in der ALBA.

Daneben war die Bildung eines gemeinsamen Wirtschaftsraums das zentrale Thema des elften ordentlichen ALBA-Gipfeltreffens, das am Wochenende in Caracas stattfand. Zu ihm waren die Staatschefs der acht Mitgliedsländer angereist, unter ihnen Kubas Präsident Raúl Castro, der nicaraguanische Staatschef Daniel Ortega, Ecuadors Präsident Rafael Correa und Boliviens Amtsinhaber Evo Morales.

Nachdem die ALBA in den Jahren seit ihrer Gründung 2004 eine Organisationsform entwickelt hat, die neoliberalen Modellen wie der Europäischen Union diametral entgegengesetzt ist und sich etwa auf einen Tausch von Erdöl gegen Lebensmittel stützt, soll nun die Ökonomie in den Mittelpunkt der gemeinsamen Arbeit rücken. Bis 2014 soll unter dem Namen ­ECOALBA ein gemeinsamer Wirtschaftsraum entstehen. Dazu gehören die Konsolidierung der ALBA-Bank, die Weiterentwicklung der internationalen Rechnungswährung SUCRE sowie die Schaffung einer eigenen Instanz zur Schlichtung von Handelsstreitigkeiten, die unabhängig von Institutionen wie IWF oder Weltbank arbeiten soll.

Kubas Präsident Raúl Castro unterstrich in seiner Ansprache am Samstag, der Erfolg der ALBA hänge von der ökonomischen Frage ab. Es sei notwendig, »nicht im Enthusiasmus zu verharren«, sondern die gemeinsamen Möglichkeiten gründlich auszuloten. Es sei zwar richtig, daß die Zusammenarbeit im Rahmen der ALBA die Beseitigung des Analphabetismus in Venezuela, Bolivien und Nicaragua und eine kostenlose medizinische Versorgung der Bevölkerung ermöglicht habe. Allerdings sei es bislang nicht gelungen, eine wirtschaftliche Emanzipation der Mitgliedsländer zu erreichen. Noch hänge man weitgehend vom Handelsverkehr mit dem imperialistischen Norden ab.

Die Staats- und Regierungschefs der ALBA-Staaten verabschiedeten auch eine Erklärung zur Solidarität mit Argentinien im Streit um die Souveränität der Malwinen (Falkland Islands). Buenos Aires und London werden in dem Papier aufgefordert, die Verhandlungen um die Zukunft der Inselgruppe wieder aufzunehmen. Ecuadors Präsident Rafael Correa schlug zudem vor, Sanktionen gegen Großbritannien zu verhängen, solange sich die Kolonialmacht Gesprächen verweigert.

Bereits am Vorabend des Gipfeltreffens hatten die ALBA-Staaten ein Hilfsprogramm für Haiti vereinbart, teilte der kubanische Außenminister Bruno Rodríguez an. Die genauen Details des neuen Hilfsprogramms sollen bei einem außerordentlichen Gipfeltreffen am 2. und 3. März in Haiti beraten werden.

In Kuba wollen die Staats- und Regierungschefs außerdem noch vor dem am 14. und 15. April im kolumbianischen Cartagena stattfindenden »Gipfel der Amerikas« zusammenkommen, um eine Reaktion darauf zu beraten, daß die Insel bislang nicht als Teilnehmer der Konferenz vorgesehen ist. »Wenn Kuba nicht zum Gipfel der Amerikas eingeladen wird, werden wir darüber nachdenken, nicht an diesem Treffen teilzunehmen«, kündigte Chávez an.

06.02.2012 / Ausland / junge Welt

800 Kilometer für das Leben

Peru: Teilnehmer des Protestmarschs gegen Bergbauprojekt unterwegs begeistert begrüßt

Von Anne Grit Bernhardt, Cajamarca
Mehr als 5000 Menschen haben am Wochenende in Trujillo an der Nordküste Perus die Teilnehmer des »Nationalen Marsches des Leidens für das Wasser« empfangen. Rund 400 Bewohner Cajamarcas im peruanischen Andenhochland protestieren so gegen die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen durch das Gold- und Kupferminenprojekt »Minas Conga«. 300 Kilometer hatten die Teilnehmer des Demonstrationszugs in Trujillo bereits zurückgelegt, seit sie am vergangenen Mittwoch in ihrer Heimatstadt losgezogen waren, um weitgehend zu Fuß in die Hauptstadt Lima zu gelangen.

Bereits um fünf Uhr morgens hatten sich Bürger Cajamarcas am Mittwoch versammelt, um zu den Bergseen im Hochland aufzubrechen, die durch die geplanten Bergwerke bedroht sind. An der Laguna Cortada, die sich außerhalb des Geländes von »Minas Conga« befindet, trafen sie sich mit Bauern aus der Umgebung, da das für das Bergbauprojekt verantwortliche Unternehmen Yanacocha den Zutritt zu den auf ihrem Gelände gelegenen Gewässern verwehrt hatte. Mit einem Ritual der Anden-Indígenas wurden Mama Yaku (Mutter Wasser) und Mama Pacha (Mutter Erde) geehrt, bevor der Zug zunächst zurück nach Cajamarca aufbrach. Auch die Bürgermeister der betroffenen Distrikte Huasmin und Sorochuco beteiligten sich an der Zeremonie, während zeitgleich in Cajamarca in verschiedenen Kirchen Gottesdienste stattfanden, bei denen für einen friedlichen und erfolgreichen Ausgang des Protestzuges gebetet wurde. Am See Mamacocha traf die Gruppe mit einer zweiten Delegation zusammen, und in jedem Dorf, das der Marsch passierte, schlossen sich weitere Teilnehmer an.

Von Cajamarca aus machten sich die mehreren hundert Teilnehmer am Donnerstag auf den Weg über die Anden zur Küste. Mehr als 800 Kilometer sind es bis zur Hauptstadt Lima, wo der Marsch am Freitag mit einer Großkundgebung enden soll. Unterwegs passierten die Demonstranten bereits Choropampa. Dieses Dorf erlangte im Jahr 2000 traurige Berühmtheit, als ein Lastwagen von Yanacocha giftiges Quecksilber verlor. Zahlreiche Menschen wurden vergiftet, einige starben sofort, andere leiden bis heute an den Folgen. Bis heute hat das Unternehmen die Bewohner des Dorfes kaum entschädigt, und so konnte die Protestbewegung gegen »Minas Conga« hier auf große Unterstützung zählen. Als die Marschteilnehmer durch Choropampa zogen, waren die Fenster der Häuser mit Fahnen und Transparenten geschmückt, zahlreiche Einwohner solidarisierten sich mit den Demonstranten. Auch in anderen Städten fanden Kundgebungen zur Unterstützung des Marsches statt. Im Küstenort Chiclayo etwa, der sein Trinkwasser hauptsächlich aus dem Andenhochland bezieht, organisierten Gewerkschaften einen Demonstrationszug.

Unterdessen wird der »Nationale Marsch« von den großen Medien weitgehend totgeschwiegen, während eine Werbekampagne von Yanacocha für »Minas Conga« ausgestrahlt wird. Doch davon lassen sich die Protestierenden nicht entmutigen. Sie vertrauen auf den Rückhalt bei den Peruanern.