Mein Herz schlägt links
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Mein Herz schlägt links

Die Seite befindet sich ab den 10. Oktober 2019 im Aufbau

Deutsche Demokratische Republik

Flagge der Deutschen Demokratischen Republik
Staatswappen der Deutschen Demokratischen Republik

 

 

East Germany 1956-1990.svg

Die DDR war das Ergebnis von der Befreiung des Hitlerfaschismus des II.Weltkrieges (1939-1945) durch die 4 Siegermächte UdSSR, USA, England und Frankreich.

 

Anmerkung: Auf dieser Seite wird von meiner Seite aus versucht, dass mitunter in der Bevölkerung der BRD und darüber hinaus bestehende Unkenntnis über die Entstehung der DDR, ihr Wesen usw. objektiv und realistisch darzustellen. Ich kann auch nicht den Anspruch auf Vollstäbdigkeit erheben, was alleine schon durch die begrenzt zur Verfügung stehende Seitenzahl nicht möglich ist.

Der RotFuchs Förderverein e.V. und hier die Regionalgruppe Rostock, deren Vorsitzender ich seit 2011 bin, hat am 5.Oktober 2019 aus Anlass des 70. Jahrestages der Gründung der DDR am 7.Oktober 1949, 

eine Festveranstaltung durchgeführt.

Im einzelnen, werden hier folgend ein paar wichtige Ausschnitte dokumentiert dargelegt. Es war die einzige Veranstaltung in ganz Mecklenburg Vorpommern gewesen, die dieses historisch wichtige Ereignis in würdevoller Form begangen hat.

 

                           Festveranstaltung

 

           Aus Anlass des 70. Jahrestages der Gründung der DDR(7.Oktober 1949)

 

                                                 lädt  der

 

         RotFuchs Förderverein e.V.

       Regionalgruppe Rostock

 

                   am Sonnabend  05. Oktober 2019

                      zum Thema

        „Gründung und Niedergang der DDR - Wendepunkte europäischer  Geschichte.“

(Bewahrender wie selbstkritischer Rückblick über 40 Jahre DDR)

 

Wir begrüssen als Referent:

 

 Egon Krenz  (Staatsratsvorsitzender der DDR a.D.)

               und  

 

 

 Hartmut König(Liedermacher und Journalist)

 

Beginn: 14.00 Uhr  - 17.00 Uhr (Einlass 13.00 Uhr)

 

Eintritt: frei          

 

Ort:    Stadtteilbegnungszentrum (SBZ) Toitenwinkel

           Olaf-Palme- Str. 26 in 18147 Rostock                                                               

 -Wir bitten zur Absicherung der Veranstaltung um eine Spende-

-       Der Vorstand –

Vor und nach der Festveranstaltung konnten sich die Gäste an den verschiedenen Infoständen des RotFuchs Fördervereins, der DKP, der Basisorganisation Die Linke Rostock-Stadtteil Dierkow sowie der Initiativgemeinschaft zum Schutz der Sozialen Rechte Ehemaliger Angehöriger Bewaffneter Organe und der Zollverwaltung der DDR e.V. (ISOR) 

informieren und Materialien erwerben.

 

 

( Bild von der Veranstaltung am 5.Oktober 2019)

Die DDR war ein Arbeiter und Bauernstaat und kein mir bekannter Staat hat in seiner Flagge alle in der Bevölkerung existierenden Schichten so vereint wie die DDR. Der Hammer steht für die Arbeiterklasse, der Zirkel für die Intelligenz inkl. der Kulturschaffenden, Wissenschaftler usw. Der Ehrenkranz welcher alle Schichten und Klassen vereint sind die Bauern bzw. gesamte Landbevölkerung.

Oft wird in hetzerischer und diffarmierender Form, die DDR als Diktatur bezeichnet. 

 

Die Diktatur (von lateinisch dictatura) ist eine Herrschaftsform, die sich durch eine einzelne regierende Person, den Diktator, oder eine regierende Gruppe von Personen (z. B. Partei, Militärjunta, Familie) mit weitreichender bis unbeschränkter politischer Macht auszeichnet.

In ihrer klassischen Bedeutung wird die Diktatur als legitimes Verfassungsinstitut zum Schutz der bestehenden verfassungsmäßigen Ordnung verstanden. Heute wird der Begriff verbreitet pejorativ zur Beschreibung einer Gewaltherrschaft verwendet.

 

Die DDR ist eine Diktatur des Proletariats gewesen, eine ausbeutungsfreie Gesellschaft, wo die Arbeiterklasse durch ihre marxistisch-leninistische Partei, die SED geführt worden ist.

In der DDR herrschte ein Mehrparteiensystem die sich mit weiteren Massenorganisationen in der Nationalen Front gemeinsam zu den Wahlen stellten. Neben den Parteien der DDR wie z.B.

teien:

Des Weiteren gab es weitere Organisationen in der DDR

 

 

Viele fleißige Helfer hatten in ehrenamtlicher Arbeit im Vorfeld Kuchen gebacken und präsentierten zudem noch frisch belegte Brötchen für den kleinen Hunger der Gäste.

Noch waren kurz vor Einlass der Festveranstaltung die über 150 Plätze frei.

 Mit einem Beamer wurden Bilder aus der DDR gezeigt, welche begleitet mit bekannter DDR-Musik auf die Veranstaltung einstimmten.

Mit einer kurzen Eröffnungsrede vom RotFuchs-Vorsitzenden Rostock, wurde die Festveranstaltung eröffnet.

 

Eröffnungsrede für den 5. Oktober 2019

 

Sehr geehrte Gäste, liebe RotFuchsmitglieder,

 

ich möchte Euch alle im Namen des Vorstandes der RotFuchs-Regionalgruppe Rostock, als Vorsitzender, am Vorabend des 70. Jahrestages der Gründung der DDR auf das Herzlichste begrüßen.
 Mein Name ist Carsten Hanke.

Ich freue mich, dass an unserer heutigen Veranstaltung 2 prominente Gäste teilnehmen. Zum einen Egon Krenz, ehemaliger DDR Staatsratsvorsitzender und Hartmut König, einstiger stellvertretender Minister für Kultur der DDR.

Dr. Henning Schleif langjährige Oberbürgermeister unserer Hansestadt Rostock und der ehemalige 1. Sekretär der SED Bezirksleitung Rostock Ulli Peck haben es sich nicht nehmen lassen ebenfalls an unserer Veranstaltung teilzunehmen.

Genauso freue ich mich, dass zahlreiche Mitglieder aus linksorientierten Parteien, Organisationen wie zum Beispiel der DKP, Vertreter von ISOR,  dem Rostocker Friedensbündnis, heute mit uns gemeinsam diese Veranstaltung begehen.

Wir wollen mit unserer heutigen Festveranstaltung,  neben einem unter historischen Gesichtspunkten geführten Rückblick auf die vor 70 Jahren gegründete DDR , eine realistische und objektive Betrachtung vornehmen, ohne den Anspruch der Vollständigkeit erheben zu wollen und zu können.

Unser Anspruch ist es, bei unserem Rückblick auf die DDR, auf zu Bewahrendes aus den 40 Jahren ihrer Existenz hinzuweisen, wie unter einer selbstkritischen Betrachtung auch auf jene Erscheinungen aufmerksam zu machen, die dem Aufbau des Sozialismus in der DDR geschadet haben. Diese selbstkritische Bewertung der DDR ist unerlässlich, wenn wir für die nachfolgenden Generationen glaubhaft und nachvollziehbar die Erkenntnis vermitteln wollen, dass der Sozialismus die einzige gesellschaftliche Alternative ist, die die Existenz der Menschheit in einer friedlichen Zukunft garantiert, ein Leben ohne Hunger und Not bietet, soziale Gerechtigkeit unter allen Menschen charakterisiert - kurzum, der Mensch im Mittelpunkt der Gesellschaft steht.

Wenn wir heute den Rückblick auf die DDR wagen, sollten wir stets in allen Bewertungen berücksichtigen, dass uns aus heutiger Sicht viele Erkenntnisse über Zusammenhänge vorliegen und wir uns, gepaart mit reichlich Lebenserfahrung aus 30 Jahre erlebtem Kapitalismus, alle geformt und verändert haben. Diese ganzen Erkenntnisse müssen im Zusammenhang der damaligen innerstaatlichen Entwicklung ebenso in der Bewertung ihre Berücksichtigung finden, wie die gesellschaftliche und weltpolitische Lage insgesamt.

Wir sollten uns auch bewusst machen, dass der Aufbau einer völlig neuen Gesellschaft, wo erstmals die Ausbeutung durch den Menschen abgeschafft worden ist, stets von den kapitalistischen Staaten mit allen Mitteln bekämpft wurde. In unseren Überlegungen sollten wir u.a. mit berücksichtigen, wie lange der Kapitalismus in seiner Entwicklung brauchte, um in Europa vorherrschend zu sein und wie lange es die kommunistische Idee gibt. Der Weg zum Kapitalismus ist mit vielen Kriegen gekennzeichnet. Kapitalismus ohne Krieg, ist kein Kapitalismus. Das gilt bis zum heutigen Tage. Ich will in diesem Zusammenhang nur an den Krieg gegen Jugoslawien  und an Afghanistan erinnern.

Nun haben Marx, Engels und Lenin uns in theoretischer wie in praktischer Form bewiesen, dass die menschliche Gesellschaft Entwicklungsstufen durchläuft. Das ist ein Prozess, der durch Höhen und Tiefen und somit auch mit Siegen und Niederlagen gekennzeichnet ist.

Folgerichtig ist der europäische Sozialismusversuch als Niederlage 1989 zu bewerten. Es liegt doch nun aber an uns, die sich links verstehen, diese für uns schmerzhafte Niederlage zu analysieren und gestärkt eine erneuten Versuch beim Aufbau einer friedlichen von Ausbeutung befreiten Gesellschaft zu wagen.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass jedem der hier Anwesenden mindestens eine Begebenheit aus seinem Leben einfällt, wo nicht gleich beim Ersten Versuch etwas Neues zu schaffen, dieses so gelungen war, dass man mit dem Ergebnis zufrieden war, und ein erneuter Versuch gestartet wurde.

Bei der Bewertung unserer Niederlage gilt es zu berücksichtigen, dass auf den Trümmern des II.Weltkrieges quasi aus dem Nichts heraus ein gesellschaftlicher Neuanfang gewagt worden ist. Noch Die Menschen in der DDR, wie in den meisten Staaten der späteren sozialistischen Staatengemeinschaft Europas, haben sich nicht durch eine Revolution selbst vom Faschismus befreit, (auch wenn viele daran beteiligt waren) sondern wurden durch die Heldentaten der UdSSR-Bürger befreit. Das ist jene Tatsache, die uns von den Kubanern, Vietnamesen, Chinesen auch den Venezolanern unterscheidet.

Unter Berücksichtigung der aktuellen sehr angespannten innenpolitischen Situation in der BRD mit der täglich wachsenden sozialen Ungerechtigkeit, dem zunehmenden Einfluss rechtsextremen Gedankengutes in gesellschaftlichen Prozessen, dem Abbau demokratischer Grundrechte - wie z.B. den Ausbau der Überwachung, bis hin zur Militarisierung der Gesellschaft macht es zudem unter Beachtung der vielen territorialen noch weltweit begrenzten bewaffneten Konflikte und damit einhergehenden Gefahr des Ausbruchs eines Weltkrieges für unabdingbar, die einzige friedliche gesellschaftliche Alternative, die des Sozialismus zu thematisieren, wo erst mit der Abschaffung des Profitstrebens auch die Grundlage für ein ökologisches Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur geschaffen werden kann.

Bei aller notwendigen selbstkritischen Reflexion über die DDR, ist es notwendig, auf zu Bewahrendes hinzuweisen und dieses ins Bewusstsein der nachfolgenden Generationen zu vermitteln.

Wir hoffen und wünschen Ihnen, liebe Anwesende, dass aus der heutigen Veranstaltung viele Anregungen mitgenommen werden können, die neben eines persönlichen Nachdenkens auch dazu animieren, dass im Rahmen der persönlichen Möglichkeiten man sich an weiteren Aktivitäten beteiligt, neue Aktionen entwickelt - einfach sich einbringt, um die gesellschaftliche Alternative des Sozialismus weiter zu vermitteln.

 

Danke für eure Aufmerksamkeit und nun lasst uns beginnen.

 

 Dr.Hartmut König (Mitbegründer des Oktoberklubs der DDR und stellv. Minister der DDR für Kultur), sorgte für seine Gesangseinlagen und Gedichtvorträge für die kulturelle Umrahmung der Festveranstaltung

Macht euch die Trauer nicht bequem

Text und Musik: Hartmut König

 

Die Fahne, Freunde, ausgebleicht.
Das Ziel der Klasse nicht erreicht.

Macht euch die Trauer nicht bequem...
in Ohnmacht, Hass und alledem.

 

Was uns aus Trümmern auferstand:
Der alte Traum von Volkes Land,
die Sehnsucht nach Gerechtigkeit,
die brauchen Zeit. Trotz alledem.

 

Der Wind ist kalt. Die Lage heiß.
Das wirft kein' Linken aus dem Gleis,
der nicht den Marxschen Wink vergisst,
dass unsre Welt zu ändern ist.

 

Nicht nur an Feindes Fäden hing,
dass unser Land zu Scherben ging.
Die Freiheit, die der Sache nützt,
war schlecht beschützt. Trotz alledem.

 

Darum Genossen, rote Zunft!
Vergangenheit wird durch Vernunft
gesiebt in Fehler und Gewinn.
Nehmen wir's hin. Trotz alledem.

 

Und lasst uns Linke einig sein,
verschieben alle Streiterein,
bis, was an unsrer Seele frisst,
der braune Mob, zerschlagen ist.

 

Gebt keinen auf, der heute spürt,
er wird von oben durchregiert,
und seine Wut den Falschen leiht.
Auch er kann lernen mit der Zeit.

 

Der Wind ist kalt. Die Lage heiß.
Das wirft kein' Linken aus dem Gleis,
der nicht den Marxschen Wink vergisst,
dass unsre Welt zu ändern ist.

 

Den Krieg ins Gegenteil verkehrt!
Die Völker, wieder aufgeklärt,
die fordern ihre Rechte ein.
So wird es sein. Trotz alledem.

 

Der Wind ist kalt. Die Lage heiß.
Das wirft kein' Linken aus dem Gleis,
der nicht den Marxschen Wink vergisst,
dass unsre Welt zu ändern ist.

 

 

Unser Gastredner Egon Krenz (letzter Staatsratsvorsitzender der DDR a.D.) hielt eine sehr faktenreiche und emotional gehaltene Rede.

 

Nicht das DDR-Erbe,

sondern Nazis und Neonazis sind eine Gefahr für Deutschland

 

(Rede von Egon Krenz auf der RotFuchsveranstaltung am 5.10.2019 in Rostock und auf der Erinnerungsveranstaltung des DDR- Kabinetts Bochum zum 70. Jahrestag der DDR am 12. Oktober 2019)

 

 

Liebe Freunde,

 

lieber Vertreter der Botschaft der Russischen Föderation,

über Ihre Teilnahme an dieser Veranstaltung freue ich mich besonders. Vierzig Jahre DDR wären ohne die Sowjetunion undenkbar gewesen. Übermitteln Sie bitte Präsident Putin, dass die heute hier Versammelten und mit ihnen Millionen Ostdeutsche nie vergessen, dass 27 Millionen Sowjetbürger ihr Leben auch für unsere Freiheit und die Freiheit Europas vom Faschismus gegeben haben.

 

Liebe Anwesende,

es gibt ein wunderbares Kinderlied, das wohl jeden DDR-Bürger begleitete. Von frühester Kindheit bis zum Lebensende. Erinnert sei an jene Augenblicke, als der gut in der DDR integrierte Kanadier Perry Friedmann mit seinem Banjo auf der Bühne stand und leise anstimmte: „Kleine weiße Friedenstaube, fliege übers Land“, und endete mit der Aufforderung: Kleine weiße Friedenstaube,  komm recht bald zurück“.

 

Sie kam nicht mehr zurück, die Friedenstaube. Das Lied ward nur noch selten gesungen seit es die DDR nicht mehr gibt. Und sie mochte wohl auch nicht zurück kommen in ein deutsches Land, das wieder Kriege führt, erst in Jugoslawien, dann in Afghanistan und in weiteren Kampfeinsätzen mit mehr als 100 gefallenen deutschen Soldaten. 

 

In 40 DDR-Jahren hat nicht ein Soldat der Nationalen Volksarmee fremden Boden zu Kampfeinsätzen betreten. Undenkbar auch, dass ein Oberst der Nationalen Volksarmee wie jener der Bundeswehr in Afghanistan einen Befehl hätte geben können, in dessen Folge allein in einer Nacht mehr als 150 Zivilisten getötet wurden und der dennoch zum General der Bundeswehr befördert wurde.

 

„Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!“ Dieser Schwur von Buchenwald war das Fundament, auf dem die Deutsche Demokratische Republik am 7. Oktober 1949 gegründet wurde.

 

Niemand kann die Wahrheit aus der Welt schaffen: Die DDR ist in der langen deutschen Geschichte der einzige Staat, der nie einen Krieg geführt hat. Allein das rechtfertigt, sich ihrer mit größtem Respekt zu erinnern. Dazu haben wir uns hier und heute verabredet. Auch wenn Soldschreiber das verhindern wollten. 

 

Wir - das sind sehr unterschiedliche Menschen, die sich ihr gelebtes Leben nicht von jenen erklären lassen möchten, die schon immer Schwierigkeiten mit der Wahrheit hatten oder die hier nie zu Hause waren – wir erinnern uns nicht als Nostalgiker, auch nicht als „Osttalgiker“, einem Modewort, das nur benutzt wird, um unsere Erinnerung und Besinnung an Werte der DDR zu denunzieren.

 

Wir sind auch keine Ignoranten, die nicht sehen wollen, dass auch seit 1990 viel geleistet wurde. Wir glorifizieren die DDR nicht. Nein, wir sind wache Zeitgenossen, die Erfahrungen in zwei gesellschaftlichen Systemen haben und dadurch gut vergleichen können, was die DDR wirklich war und was ihr blinde Wut an Schlechtem andichtet.

 

Unter dem Strich war die DDR nach der Wiederbelebung kapitalistischer Verhältnisse in Westdeutschland und dem Aufstehen alter Nazis die einzig vernünftige Alternative zu einem Deutschland, das für zwei Weltkriege und die grausame faschistische Diktatur verantwortlich war.

 

Zu ihrem Gründungsmotiv gehörte auch die deutsche Einheit. Es hätte die DDR nie gegeben, wenn nicht zuvor der Separatstaat Bundesrepublik geschaffen worden wäre. „Dass ein gutes Deutschland blühe, wie ein andres gutes Land“, hatte sich Bert Brecht gewünscht.  Und Bechers Text „Deutschland, einig Vaterland“ war der beste Gegenentwurf zu „Deutschland, Deutschland über alles.“

 

Dass es damals nicht zu einem einheitlichen Deutschland kam, liegt nicht nur, aber wesentlich an der alten Bundesrepublik. Als ihr Grundgesetz vorbereitet wurde, verkündete einer seiner Väter, „alles deutsche Gebiet außerhalb der Bundesrepublik ist als Irredenta“1, also als Gebiet unter Fremdherrschaft anzusehen, „deren Heimholung mit allen Mitteln zu betreiben wäre." Und:  Wer sich dem nicht unterwerfe, hieß es, sei „als Hochverräter zu behandeln und zu verfolgen"2.

 

Das Szenario also für den Umgang des westdeutschen Staates mit den Ostdeutschen stammt schon aus einer Zeit, als die DDR noch gar nicht existierte, als sie all die Untaten, die man ihr heute zuschreibt, noch gar nicht vollbracht haben konnte. Die Geburtsurkunde des Hasses auf die DDR war und bleibt der Antikommunismus, den Thomas Mann schon im vergangenen Jahrhundert eine Grundtorheit genannt hatte.

 

Es war Konrad Adenauer, der erklärte: „Was östlich von Werra und Elbe liegt, sind Deutschlands unerlöste Provinzen. Daher heißt die Aufgabe nicht Wiedervereinigung, sondern Befreiung. Das Wort Wiedervereinigung soll endlich verschwinden. Es hat schon zu viel Unheil gebracht. Befreiung ist die Parole.“3

 

Was hängte man der DDR nicht alles an?  „Russenknechte“ waren wir, „Vollstrecker Stalins Willen in Deutschland“, auch „Zonenheinis“ nannte man uns. Für Adenauer begann an Elbe und Werra Sibirien. Soviel Unsinn ließ sich dann nicht mehr aufrecht erhalten, als die UNO beide deutsche Staaten als gleichberechtigt anerkannte und 134 Länder mit der DDR diplomatische Beziehungen aufnahmen. 

 

Da kam es dann schon einmal vor, dass beispielsweise der Vize-Chef der CDU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Volker Rühe, schwärmte: Ein Gespräch mit Honecker sei „angenehmer und konstruktiver als ein Gespräch mit der britischen Regierungschefin“.

Oder hochrangige bundesdeutsche Politiker aller Couleur ein Foto mit dem SED Generalsekretär als Hilfe für ihren Wahlkampf wünschten. Schließlich war es Helmut Kohl, der Honecker einen „zuverlässigen Partner“ nannte und sein Nachfolger Gerhard Schröder sich vom DDR-Staatsratsvorsitzenden regelrecht beeindruckt zeigte. In dieser Zeit schloss man dann auch völkerrechtlich bindende Verträge und empfing 1987 gar das DDR Staatsoberhaupt zu einem offiziellen Besuch mit allen diplomatischen Ehren.

 

Doch dann1990: Man kehrte zurück zum irren Geschichtsbild der fünfziger Jahre, das nun immer noch gilt und die politische Atmosphäre vergiftet. 

 

Der Ostbeauftragte der Bundesregierung wiederholte in seinem Regierungsbericht eigentlich nur, was seit 29 Jahren Standard ist:

An allem, was in der Bundesrepublik nicht funktioniert, ist die „marode“ DDR Schuld, die angeblich nur Verbrechen und Schulden in die Einheit mitgebracht hätte. 

 

Dieser Mann war 1989 gerade einmal 13 Jahre alt. Dennoch erinnert er sich noch ganz genau daran, dass die Ostdeutschen das Pech gehabt hätten, „40 Jahre auf der falschen Seite der Geschichte gestanden“ zu haben. Dieses Nachplappern geistloser Stereotype aus den Jahren des kalten Krieges stimmt nun aber keinesfalls mit den praktischen Erfahrungen sehr, sehr vieler Bürger aus der DDR überein. Wenn inzwischen nur 38 Prozent der Ostdeutschen die Vereinigung für gelungen halten und 57 Prozent sich gar als „Bürger zweiter Klasse“ fühlen, müssten sich doch die Regierenden endlich mal fragen, wo dafür die Ursachen liegen.   

 

Als Gregor Gysi noch DDR-Bürger war, hat er in jener schicksalhaften Nacht als in der damaligen Volkskammer der Anschluss der DDR an die Bundesrepublik deklariert wurde, den Abgeordneten zugerufen: « Ich bedauere, dass die Beschlussfassung im Hauruckverfahren … geschehen ist und keine würdige Form ohne Wahlkampftaktik gefunden hat; denn die DDR …  war für jeden von uns – mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen – das bisherige Leben. So wie wir alle geworden sind, sind wie hier geworden, und ich bedauere, dass der Einigungsprozess zum Anschluss degradiert ist.»

 

Dieser grundlegende Mangel macht sich bis heute bemerkbar.

Respekt will Angela Merkel laut ihrer Rede zum Einheitsjubiläum jenen entgegenbringen, die «Opfer des SED – Regimes» waren und die gegen das Regime gekämpft hätten. Soweit so gut, wenn es sich um tatsächliche und nicht vermeintliche Opfer handelt.  Das bedeutet aber in der Praxis eine weitere Ausgrenzung von Millionen Bürgern, denen die DDR Herzenssache war und die sich für ihren Staat ein Leben lang engagierten. 

 

Frau Merkel ist offensichtlich entgangen: DDR-Bürger hatten nicht nur die Trümmer des Zweiten Weltkrieges beseitigt, Städte und Dörfer wieder bewohnbar gemacht, wertvolle kulturhistorische Bauten wieder errichtet, sondern auch zahlreiche neue Betriebe, Straßen, Stadtteile und Städte mit modernen Wohnungen, Schulen, Kinderkrippen und Kindergärten, Ambulatorien, Krankenhäusern Sport- und Kulturstätten geschaffen. Es gab 1945 nichts, aber auch gar nichts, was die DDR hätte runter wirtschaften können

 

Es ist doch ein großer Irrtum, anzunehmen, die DDR sei vierzig Jahre gegen das Volk regiert worden. Es gab Jahre großer Zustimmung - wie beispielsweise beim Volksentscheid 1968 über die DDR-Verfassung, die nach gründlicher Volksausprache von 94,5 % der Bevölkerung bestätigt wurde.  Eine durch Volksentscheid angenommene Verfassung wurde 1990 gesetzwidrig ohne Volksentscheid aufgehoben.

 

Die Wahrheit ist doch: Es haben sich nicht zwei Staaten vereinigt, sondern der eine hat den anderen übernommen und bestimmt die Regeln. DDR-Bürger wurden nie befragt, ob sie das auch wollten. So etwas hat Langzeitfolgen. Was ich da im Zusammenhang mit dem 9. Oktober 1989 in den letzten Tagen in den Medien gelesen, gehört oder gesehen habe, zeigt:  Je weiter wir uns zeitlich vom Ende der DDR entfernen, um so märchenhafter, wirklichkeitsfremder und boshafter werden die offiziellen Ausfälle gegen sie.  Geht es nach den Meinungsführern des Politikgeschäfts, dann sind die früheren DDR- Bürger nur noch ein Millionenhäuflein gegängelter Kreaturen, eingesperrt hinter einer Mauer mit einer schrottreifen Wirtschaft, umgeben von Mief und Muff und „Spitzeln“ der Staatssicherheit.

 

Heiner Müller, bestimmt kein unkritischer DDR-Bürger,  hat dies sehr frühzeitig mit seinem Urteil entlarvt: „Der historische Blick auf die DDR“, schreibt er, „ ist von einer moralischen Sichtblende verstellt, die gebraucht wird, um Lücken der eigenen moralischen Totalität zu schließen.“4

 

Die Kraft, das Geld und die Ressourcen, die man einsetzt, um die DDR zu denunzieren – eine ganze „Aufarbeitungsindustrie“ ist damit beschäftigt – wären sinnvoller angelegt für eine inhaltliche Auseinandersetzung mit Rassismus, Antisemitismus und Fremdenhass.  Nazis, Neonazis und die Brunnenvergifter in der AfD sind eine Gefahr für Deutschland – nicht das Erbe der DDR. Antisemitismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.

In der DDR -Verfassung heißt es dazu im Artikel 6: „Militaristische und revanchistische Propaganda in jeder Form, Kriegshetze und Bekundung von Glaubens-, Rassen- und Völkerhass werden als Verbrechen geahndet“.5 

 

Es gibt sehr viele Gründe für Enttäuschungen bei nicht wenigen Ostdeutschen. Einer davon ist: So - wie die DDR heute darstellt wird - so war sie einfach nicht. Für eine große Mehrheit der DDR-Bürger war ihr Staat kein „Unrechtsstaat“.  Die aufgewärmte Debatte darüber ist weiter nichts als eine Ablenkung von den Gebrechen der heutigen Gesellschaft. Wer über DDR-Unrecht spricht, braucht sich nicht zu rechtfertigen, warum die Regierenden heute mit den vielen ernsthaften Problem nicht fertig werden, der kann ablenken von Niedriglöhnen, drohender Alters- und Kindesarmut, auch davon, wie rücksichtslos mit DDR-Biografien umgegangen wird. 

 

Beim Werden und Wachsen der DDR gab es Siege und Niederlagen, Freude und Enttäuschung - leider auch Opfer. So sehr ich diese bedauere, bleibt doch wahr: Die Geschichte der DDR ist keine Kette von Fehlern oder gar Verbrechen. Sie ist vielmehr die Geschichte eines

    • Ausbruchs aus dem ewigen deutschen Kreislauf von Krieg und Krisen, eines

    • Aufbruchs für eine tatsächliche Alternative zum Kapitalismus, einer

    • Absage an Faschismus und Rassenhass, Antisemitismus und Russenphobie.

 

Und weil sehr viele DDR-Bürger dem verbunden waren, ist die Degradierung der DDR zu einem „Unrechtsstaat“ in vielerlei Hinsicht auch eine Beleidigung derer, die sich zur DDR bekannten. Die DDR wollte nie sein wie die alte Bundesrepublik. Es ist daher auch dumm, sie nach den Maßstäben der Bundesrepublik zu bewerten.

 

Vor zehn Jahren hielt Bundespräsident Köhler auf einer Veranstaltung zum 9. Oktober 1989 die Rede, in der er unter anderem ausführte:

«… Vor der Stadt standen Panzer, die Bezirkspolizei hatte Anweisung, auf Befehl ohne Rücksicht zu schießen. Die Herzchirurgen der Karl-Marx-Universität wurden in der Behandlung von Schusswunden unterwiesen, und in der Leipziger Stadthalle wurden Blutplasma und Leichensäcke bereitgelegt».

 

Wie gruselig, wie furchteinflößend und welch ein Zeichen von Unmenschlichkeit der DDR!

Die Sache hat nur den Haken: So etwas hat es nie gegeben.

Fritz Streletz, der langjährige Sekretär des Nationalen Verteidigungsrates der DDR, und ich haben den Bundespräsidenten in Vorbereitung seiner Rede zum 30. Jahrestag der Leipziger Ereignisse in einem Brief gebeten, diese Unwahrheit richtig zu stellen. Aus eigenem Wissen und auf der Grundlage von geltenden Beschlüssen und Befehlen teilten wir mit: «In oder vor der Stadt gab es keine Panzer, auch existierte zu keiner Zeit ein Befehl zum Schießen. Weder wurden Herzchirurgen zur Behandlung von Schusswaffen eingewiesen noch Leichensäcke bereitgelegt.»

 

Leider nutzte der Bundespräsident die Gelegenheit nicht, die immer noch verbreitete Lüge aus der Welt zu schaffen. An einer Stelle seiner Rede sagte er, die Geschichte wäre anders verlaufen, hätte nicht Gorbatschow die SED - Führung zur Zurückhaltung gemahnt. Es wäre gut gewesen, der Herr Bundespräsident hätte die Quelle für diese Behauptung benannt. Aus eigenem Wissen kann ich nämlich sagen: Eine solche Mahnung hat es nie gegeben.  Sie war auch nicht notwendig. Selbst Gorbatschow schreibt in seinen «Erinnerungen», dass die DDR-Führung «über hinreichend Vernunft und Mut verfügte, um keinen Versuch zu unternehmen, die Unzufriedenheit der Bevölkerung in Blut zu ersticken.»6 

 

Eine Mahnung Gorbatschows gab es am 10. November 1989. Sie war nicht an die DDR, sondern an Bundeskanzler Kohl gerichtet, alle nationalistischen Töne zu unterlassen,  «Erklärungen aus der BRD, die vor diesem politischen und psychologischen Hintergrund abgegeben werden, die unter Losungen der Unversöhnlichkeit gegenüber der realen Existenz zweiter deutscher Staaten Emotionen und Leidenschaften anheizen sollen, können kein anderes Ziel verfolgen, als die Lage in der DDR zu destabilisieren und die sich dort entwickelnden Prozesse der Demokratisierung und Erneuerung aller Bereiche des gesellschaftlichen Lebens zu untergraben“7.

 

Es ist irre, die DDR nur von ihrem Ende her zu beurteilen. Es ist zudem eine Geschichtsfälschung, so zu tun, als wären die Leute im Herbst 89 schon für die Einheit Deutschlands auf die Straße gegangen.

 

Im Aufruf der Leipziger Sechs unter Leitung von Generalmusikdirektor Masur, der interessanter Weise kaum noch erwähnt wird, lautet der Kernsatz: „Wir alle brauchen freien Meinungsaustausch über die Weiterführung des Sozialismus in unserem Land“.8

 

Einer, der kürzlich für seinen Beitrag zur deutschen Einheit vom Bundespräsidenten ausgezeichnet wurde, Pfarrer Eppelmann, schrieb mir noch am 24. Oktober 1989 in einem persönlichen Brief, den auch Pfarrer Schorlemmer unterzeichnet hatte – Zitat - : „Uns geht es um die Entwicklung von Demokratie und Sozialismus in unserem Land.“9.

 

Ja, es gab natürlich auch die anderen, die sich nicht wohlfühlten in der DDR, die leider weg gingen oder sich selbst aus der Gesellschaft ausschlossen. Oder jene, die angeblich schon immer wussten, dass es nichts werden könne mit dem Sozialismus auf deutschem Boden. Oder auch jene, die damals besonders laut „Hurra“ riefen und nun mit Übereifer die vermeintlichen Vorzüge der neue Macht beschreiben.

 

Ihnen und vor allen den Medien, auch dem Bundespräsidenten, müsste bei etwas mehr Realismus doch klar sein: Sie können nicht für alle Ostdeutschen sprechen. Wer sich für die DDR engagierte, tat dies doch in der Überzeugung, dem Guten in Deutschland zu dienen, hat seinem Staat viel von seiner Lebenskraft gegeben und hat ein Recht, dafür auch in der Bundesrepublik respektiert zu werden.

 

Wir haben 1989 eine Niederlage erlitten, eine bittere, die schmerzt – das ist wohl wahr.  Aber wir sind nicht aus der Geschichte ausgestiegen.  So wie sie heute ist, diese Welt, wird sie nicht bleiben. Der Kapitalismus wird nicht das letzte Wort der Geschichte sein.

 

Und dann werden wir sehen, wer am Ende auf der richtigen Seite steht. Wir werden es wahrscheinlich nicht mehr erleben, aber spätesten seit Thomas Münzer gilt: Die Enkel fechten‘s besser aus. Diesen historischen Optimismus möchte ich mir gerne erhalten. Auch deshalb, weil es da noch weit im Osten ein Land gibt, das gerade den 70. Jahrestag seiner Volksrepublik gefeiert hat.

 

Unabhängig davon ist es aktueller denn je, endlich die Lebensleistungen der DDR-Bürger anzuerkennen, gleichen Lohn für gleiche Arbeit zu zahlen, gleiche Renten für gleiche Lebensleistungen zu geben, die Strafrenten abzuschaffen und für alle Kinder und Jugendlichen Chancengleichheit zu schaffen.  Der Artikel Eins des Grundgesetzes – die Würde des Menschen ist unantastbar – muss für alle Deutschen gelten, auch für diejenigen, die für die DDR arbeiteten, einschließlich der Mitarbeiter der Sicherheitsorgane. Ohne dies wird es noch Jahrzehnte dauern, bis die deutsche Einheit vollendet wird.

 

Wir sind nicht die ewig Gestrigen, für die man uns hält. Wir sind eher die ewig Morgigen. Wir möchten, dass unsere Kinder, Enkel und Urenkel auf einem gesunden Planeten eine friedliche Zukunft haben. Deshalb gehen wir mit dem DDR - Erbe durchaus selbstkritisch um, aber vor allem selbstbewusst und nicht mit gebeugtem Rücken.

 

Gerade deswegen fragen wir uns auch, was die DDR geschichtlich auf deutschem Boden einmalig macht.

 

Als in den Nachkriegsjahren im Westen wieder alte Nazis Lehrer, Juristen oder Beamte sein durften, fand im Osten eine antifaschistisch - demokratische Umwälzung statt, die 1949 die DDR zum antifaschistischen deutschen Staat werden ließ. 

 

In Vorbereitung darauf wurden 7136 Großgrundbesitzer und 4142 Nazi- und Kriegsverbrecher entschädigungslos enteignet.

520 000 ehemalige Nazis wurden aus öffentlichen Ämtern entfernt. 

Am 30. Juni 1946 stimmten mehr als 72,00 % der Bürger Sachsens in einem Volksentscheid für die Enteignung der Nazi- und Kriegsverbrecher ab.10 

 

    • In Ostdeutschland kam Junkerland tatsächlich in Bauernhand;

    • Kein Nazi durfte Lehrer sein. 

    • In Schnellverfahren wurden 43 000 Frauen und Männer zu Neulehrern ausgebildet, die zwar manchmal – wie es damals hieß - nicht genau wussten, ob man Blume mit oder ohne „h“ schreibt - dafür aber Mut hatten, dem Ruf eines FDJ - Liedes zu folgen:

„Um uns selber müssen wir uns selber kümmern,

und heraus gegen uns, wer sich traut“.

    • Nazis durften kein Recht sprechen, Volksrichter wurden gewählt,

    • Fakultäten entstanden, die dafür sorgten, dass Arbeiter und Bauern auf die Hochschulen kamen. Schon 1952 waren über die Hälfte der Studenten Kinder von Arbeitern und Bauern. So etwas hatte es in Deutschland zuvor nie gegeben und es gibt es lauch nach dem Ende der DDR nicht mehr. 

 

Das Kriminelle an diesem Fakt ist:

40 Jahre nach Gründung der Arbeiter- und Bauernfakultäten wurden viele ihrer Absolventen, die inzwischen in der DDR hervorragende Wissenschaftler, Ingenieure, Mediziner, Juristen, Lehrer und anderes geworden waren, nicht selten gegen zweit- und drittklassige aus dem Westen ausgetauscht. Wer kritisiert, dass heutzutage so wenig Ostdeutsche in Ostdeutschland etwas zu sagen haben, der darf nicht vergessen, was 1990 mit der ostdeutschen Elite gemacht wurde. Allerdings ein Begriff, den wir in der DDR kaum gebrauchten, weil wir die Gesellschaft nicht in Elite und gemeines Volk einteilten.

 

Es ist zu billig zu sagen, die Ostdeutschen hätten den Elitenaustausch gewollt. Ja, manche, die meinten, sie seien zu kurz gekommen, schon. Ich erinnere mich aber an ein Urteil eines nicht unbekannten westdeutschen Wissenschaftlers. Die DDR habe »fast ein halbes Jahrhundert die Menschen verzwergt, ihre Erziehung, ihre Ausbildung verhunzt«, schrieb ein Arnulf Baring 1991. 

Und weiter:

»Ob sich heute dort einer Jurist nennt oder Ökonom, Pädagoge, Soziologe, selbst Arzt oder Ingenieur, das ist völlig

egal: Sein Wissen ist auf weite Strecken unbrauchbar […] Wir

können den politisch und charakterlich Belasteten ihre Sünden

vergeben, alles verzeihen und vergessen. Es wird nichts

nutzen; denn viele Menschen sind wegen ihrer fehlenden

Fachkenntnisse nicht weiterverwendbar. Sie haben einfach

nichts gelernt, was sie in eine freie Marktwirtschaft einbringen

können,«

 

Meines Wissens hat niemand aus der Bundesregierung solcher Dummheit widersprochen.  Wie auch dem Slogan nicht „Leben wie bei Kohl und arbeiten wie bei Honecker“, was die Ostdeutschen quasi zu Schmarotzern erklärte oder dem Urteil, Ursache für rechtes Gedankengut im Osten sei das „Zwangstopfen“ in den Kinderkrippen der DDR. Nicht vergessen auch die Kampagne gegen die Roten Socken, in dessen Folge nicht wenige DDR – Bürger durch Selbstmord aus dem Leben schieden. Obwohl dies nicht wenige waren, gibt es darüber in der Bundesrepublik nicht einmal eine Statistik.   

 

Man kann sich bei diesen Verleumdungen nicht darauf zurückziehen, dass es sich um freie private Meinungsäußerungen handle. Was hatte doch Justizminister Kinkel am 23. September 1991 auf dem 15. Deutschen Richtertag in Köln gesagt?

 

Ich zitiere: »Sie, meine Damen und Herren, haben als Richter und Staatsanwälte … eine ganz besondere Aufgabe ...: mit dem fertigzuwerden, was uns das vierzigjährige Unrechtsregime in der früheren DDR hinterlassen hat. ... Es muss gelingen, das SED-System zu delegitimieren, das bis zum bitteren Ende seine Rechtfertigung aus antifaschistischer Gesinnung, angeblich höheren Werten und behaupteter absoluter Humanität hergeleitet hat …»11  

 

Was bedeutete das?

Die Deindustrialisierung der DDR ging einher mit tiefen Kränkungen von DDR-Bürgern.  Solche Kränkungen lassen sich schwer aus dem Gedächtnis streichen, auch an der Wahlurne nicht. 

 

Herr Gauck, der oft von sich nur in der dritten Person spricht, rühmte die Auswechselung der Eliten gar mit den Worten: »Wir konnten nicht zulassen, dass die sozialistischen Globkes in ihren Ämtern und Positionen in Staat und Gesellschaft blieben«.

 

Dies war eine empörende Gleichsetzung von Tausenden entlassenen Lehrern und Wissenschaftlern, Juristen und Angestellten der DDR mit dem Mitautor des Kommentars zu den Nürnberger Rassegesetzen. Schlimm genug, dass dieser Mann in der Bundesrepublik zum wichtigsten Politiker hinter Konrad Adenauer aufstieg. Wie weit aber muss jemand von geschichtlicher Wahrheit und Anständigkeit entfernt sein, der Globke heranzieht, um zu begründen, warum 1990 die Eliten der DDR ausgetauscht wurden? 

Nach vorliegenden Untersuchungen wechselten die Nazis 1933 elf Prozent der Eliten des Deutschen Reiches aus. In Westdeutschland wurden 1945 lediglich dreizehn Prozent der Nazikader entfernt. Nach dem Anschluss der DDR an die Bundesrepublik schickte die neue Herrschaft 85 Prozent der DDR-Eliten ins berufliche und damit nicht selten auch ins soziale Aus

 

Als Herr Gauck zum Bundespräsidenten gewählt wurde, bekannte er schon im zweiten Satz seiner Rede: „Wir …, die nach 56-jähriger Herrschaft von Diktatoren endlich Bürger sein durften. ... “

 

Gauck wirft 12 Jahre Hitler – Barbarei, 4 Jahre sowjetisch besetzte Zone und 40 DDR-Jahre in einen Topf. Faktisch werden die Ostdeutschen zu Menschen erniedrigt, die 1945 nur von braun zu rot gewechselt sind und kritiklos Diktatoren folgten. Dabei wird jede antifaschistische Gesinnung außer Acht gelassen.

Jedes Gleichheitszeichen zwischen dem Nazireich und der DDR verbietet sich schon angesichts von Auschwitz von selbst, angesichts des Blutzolls, den unter allen Parteien Kommunisten und Sozialdemokraten am höchsten entrichtet haben, angesichts von mehr als 50 Millionen Toten des Zweiten Weltkrieges. 

Man bezeichnet hierzulande den deutschen Faschismus ja bis heute irreführend und verharmlosend als Nationalsozialismus. Dabei sollte inzwischen jeder einigermaßen gebildete Mensch wissen, dass der weder national noch sozialistisch war, sondern einmalig verbrecherisch und kapitalistisch.

Die schrittweise und durchaus widersprüchliche Überwindung der Naziideologie war eine der größten Leistungen der DDR, die wir uns von niemandem kleinreden lassen sollten.

Die DDR war die deutsche Heimstatt des Antifaschismus.  Ein Globke, ein Filbinger, ein Oberländer oder auch ein Kissinger hätten in der DDR nie eine Chance auf ein Amt gehabt.

Ich habe mir oft die Frage gestellt:

Warum eigentlich gingen Geistesschaffende  und Künstler wie Bert Brecht, Anna Seghers, Arnold Zweig, Johannes R. Becher, Stefan Hermlin, Friedrich Wolf, Max Lingner, Lea Grundig, Theo Balden, Wieland Herzfelde, Helene Weigel, Hanns Eisler, Bodo Uhse, Erich Weinert, Ernst Busch, Ludwig Renn, Wolfgang Langhoff, Eduard von Winterstein, Hedda Zinner, Gustav von Wangenheim und viele andere nicht nach Westdeutschland, sondern kamen in die Ostzone bzw. später in die DDR?

Haben sie sich nicht gerade deshalb für die DDR entschieden, weil sie hier die Möglichkeit sahen, Krieg und Faschismus endgültig aus dem Leben der Menschen zu verbannen?

Brecht hat sich dazu unmissverständlich ausgedrückt: „Ich habe keine Meinung, weil ich hier bin“, sagte er, „sondern ich bin hier, weil ich eine Meinung habe.“

Einzigartig an der DDR war auch:

Ein Drittel Deutschlands war über 40 Jahre dem Zugriff des deutschen Kapitals entzogen.  Das ist aus der Sicht unserer politischen Gegner die eigentliche Sünde der DDR, die niemals vergeben wird.

 

Nie mehr Bereicherung des einen durch die Arbeit des anderen - das war Verfassungsgrundsatz in der DDR. Niemandem war erlaubt, sich an der Arbeit des anderen zu bereichern. Der Mensch war nicht mehr des Menschen Wolf. Er war kein Marktfaktor, den man wie eine Schachfigur hin und her schieben konnte. Nicht der Ellenbogen regierte, nicht der Egoismus, nicht das Geld, sondern schrittweise, wenn auch durchaus widerspruchsvoll, das menschliche Miteinander.

 

Vor einigen Tagen saß ich in einem Caffè, ein Mann vom Nebentisch reichte mir eine Serviette, die an meinem Tisch fehlte. Ich sagte: „O, das ist aber aufmerksam“. „Ja“, antwortete mein Gegenüber, „die Aufmerksamkeit füreinander, das Miteinander, das wir zu DDR – Zeiten kannten, ist verloren gegangen. Das Menschliche ist weg, seit es die DDR nicht mehr gibt“.

 

Das hat mich stark aufgewühlt - wie auch ein Brief, den mir ein 56 - jähriger Mann schrieb, der 1990 eine Firma gegründet hatte und mir nun auf zwei Briefseiten beschrieb, wie gut es ihm geht in der neuen Bundesrepublik. „Es scheint alles Besten“, endete er sein Schreiben, „und doch bleibt tief im Herzen immer noch der Wunsch nach einer gerechten, friedlichen und vernünftigen Welt.“ 

 

Seit 1990 heißt es: „Aufbau Ost“. Sicher, es gab manches, was in der DDR im Argen lag. Wir investierten zu wenig im produktiven Bereich, manche Stadtzentren waren aus Mangel an Baumaterial und haltbarer Farbe ziemlich unansehnlich. Unsere Wünsche waren immer größer als unsere materiellen Möglichkeiten.

 

Die Ideale und die Realitäten klafften nicht selten auseinander. Die Bundesrepublik setzte ihre Ostbrüder und Ostschwestern Jahr für Jahr neu auf die Embargoliste, die uns vom wissenschaftlich - technischen Fortschritt in der kapitalistischen Welt ausschließen sollte.  Unsere Startbedingungen waren alles andere als gut. Ganz Deutschland hatte den Krieg verloren. Die Ostdeutschen und später die DDR mussten allein dafür zahlen.  Die DDR-Reparationsleistungen waren 25-mal höher als die der alten Bundesrepublik. Umgerechnet zahlte jeder DDR-Bürger 16 124 DM für Reparationen, jeder Bundesbürger dagegen gerade mal 126 DM. Die BRD bekam den Marschallplan - die DDR zahlte für den Krieg. Das war eine ungleiche Arbeitsteilung. Manchmal denke ich heute: Dass wir es trotzdem 40 Jahre durchgehalten haben, das ist das eigentliche Wunder.

 

Doch:

Die DDR war 1949 zwar auferstanden aus Ruinen, aber sie war 1990 keine Ruine, kein Pleitestaat mit maroder Wirtschaft. Bis zuletzt wurde jede Rechnung auf Heller und Pfennig bezahlt, auch, wenn die sich unwissend Stellenden und die Verleumder der DDR das immer wieder bestreiten.

 

Wie eine geheiligte Schrift behandeln sie permanent das vergilbte sogenannte „Schürer-Papier“, obwohl sie genau wissen, dass Gerhard Schürer und seine Mitautoren noch im November 1989 öffentlich die falschen Zahlen und ihre Irrtümer korrigiert hatten.

 

Es ist schwer zu verstehen, dass sie ihrem eigenen Geldinstitut, der Deutschen Bundesbank, misstrauen. Es gibt einen Bericht von ihr unter dem Titel – Zitat - „Die Zahlungsbilanz der ehemaligen DDR 1975 bis 1989.“ Darin heißt es, dass Ende 1989, „die Nettoverschuldung der DDR betrug 19,9 Milliarden Valutamark« also umgerechnet in Euro nicht einmal zehn Milliarden. Von 10 Milliarden Euro geht kein Staat bankrott. 

 

Indem man behauptet, die DDR sei bankrott gewesen, kann man verdecken, dass sich der wirkliche Kollaps der DDR-Industrie erst nach dem Anschluss der DDR an die BRD ereignete: Nach dem 1. Weltkrieg wurde gegenüber dem Vorkriegstand von 1913 noch 57% produziert. Nach dem 2. Weltkrieg 1946 im Verhältnis zum Vorkriegstand von 1938 immerhin noch 42%, 1992 auf dem Höhepunkt der Privatisierung des Volkseigentums gegenüber dem vorletzten Jahr der DDR nur noch 31 Prozent.

 

Das wirkliche Problem war 1990 nicht eine vermeintlich marode Wirtschaft der DDR. Wir hatten sicher auch Marodes, aber wir hatten auch viel Modernes. Wir hatten auch Kombinate, die Weltniveau produzierten. Wer Letztes bestreitet, behauptet damit ja auch, dass uns bundesdeutsche Konzerne nur Schrott geliefert hätten, denn 40 % unserer Industrieanlagenimporte kamen aus der alten Bundesrepublik.

 

Der Kern des Problems 1990 war ein ganz anderer:

Alles in der Wirtschaft gab es nun zweimal in Deutschland.

Einmal musste sterben. Nicht nur, was eventuell marode war, sondern auch das Moderne. Das Sterben hat die Treuhand organisiert, aber nicht auf eigenen Antrieb. Es war politisch gewollt. Das Volkseigentum der DDR wurde verscherbelt. 85% davon erhielten Eigentümer aus dem Westen, 10% ging ins Ausland und knappe 5 % blieben im Osten.

 

Die Bundesrepublik übernahm von der DDR etwa 8.000 Betriebe, 20 Milliarden Quadratmeter Agrarflache, 25 Milliarden Quadratmeter Immobilien, Forsten, Seen, 40.000 Geschäfte und Gaststatten, 615 Polikliniken, 340 Betriebsambulatorien, 5.500 Gemeindeschwesternstationen, Hotels, Ferienheime, das beträchtliche Auslandsvermögen der DDR, Patente, Kulturguter, geistiges

Eigentum und manches mehr.12  Zum Beispiel den Berliner Fernsehturm, der nur deshalb nicht abgerissen wurde, weil das bautechnisch nicht ging, aber inzwischen das Wahrzeichen Berlins ist

Und wo feiert die bundesdeutsche Elite heute ihre vermeintlichen Siege? Im Schauspielhaus Berlin, in der Semperoper Dresden und im Gewandhaus Leipzig – alles vom «maroden DDR – Staat» bezahlt.

 

Die DDR hinterließ der Bundesrepublik keine Erblast in Höhe von 400 Milliarden DM – wie behauptet wird, sondern ein Volksvermögen von 1,74 Billionen Mark an Grundmitteln und 1,25 Billionen Mark im produktiven Bereich - ohne den Wert des Bodens und den

Besitz von Immobilien im Ausland gerechnet. Angesichts dieser Fakten mutet es wie ein schlechter Witz an, die Treuhand und ihre Anleiter in der Bundesregierung von der Schuld für die Deindustrialisierung der DDR freizusprechen.

 

In den Berichten zum diesjährigen Tag der deutschen Einheit wird davon gesprochen, dass es gut sei – Zitat - „..., dass wir uns mit unserer jüngsten deutschen Geschichte auseinandersetzen“

 

Das ist jedoch nicht wahr. Allgegenwärtig ist nur die DDR- Geschichte. Es wird aber höchste Zeit, sich im Kontext damit auch kritisch mit der Entstehung und Existenz der alten Bundesrepublik und ihrer Schuld an der deutschen Spaltung auseinanderzusetzen.

 

Die  Jahre zwischen 1949 und 1990  waren doch nicht nur das „Wirtschaftswunder“ und das „Wunder von Bern“, nicht nur die DM und das eigene Auto, nicht nur die Italienreise und all die anderen Erfolgsgeschichten, die uns dieser Tage wieder aufgetischt werden. 

 

Verdeckt wird, dass beispielsweise die separate Währungsreform 1948 das eigentliche Datum der deutschen Spaltung ist, wodurch die spätere DDR aus dem internationalen Wirtschaftsverkehr praktisch ausgeschlossen wurde.

 

Es gab doch in der alten Bundesrepublik nicht nur gewaltige Streiks, über die man heute kaum noch spricht, sondern auch tiefe gesellschaftliche Konflikte. Die KPD, die FDJ und andere fortschrittliche Organisationen wurden verboten, ihre Mitglieder gejagt, verurteilt und inhaftiert.

 

Am 11. Mai 1952 wurde das FDJ – Mitglied Philipp Müller auf einer Friedenskundgebung in Essen und am 2. Juni 1967 der Student Benno Ohnesorg in Westberlin von der Polizei erschossen. Wie ein roter Faden zieht sich doch die Verfolgung Andersdenkender durch die ersten Jahre der Bundesrepublik. Notstandsgesetze wurden beschlossen und ein „Radikalenerlass“.  

 

Wenn es also darum geht, auf welcher Seite der Geschichte jemand gestanden hat, habe ich als DDR-Bürger durchaus viele Fragen an die alte Bundesrepublik:

 

    • Unterstützte sie nicht die schmutzigen Kriege, die Frankreich gegen Algerien und die USA in Indochina führten, die Vietnam in die „Steinzeit zurück bomben“ wollten?

    • Machte sie nicht immer gute Geschäfte mit dem Apartheid –Regime in Südafrika, das Nelson Mandela verbannt hatte?

    • Standen sie nicht immer an der Seite jener, die das Abenteuer in der Schweinebucht gegen das freiheitsliebende kubanische Volk oder auf Grenada unterstützten?

    • Stand sie nicht immer an vorderster Stelle bei Waffenexporten in Krisenregionen?

    • Hatte sie nicht exzellente Beziehungen zu den faschistischen Regimes in Spanien und Portugal?

    • Gab es nicht ein heimliches Einverständnis mit den Putschisten in Griechenland 1967 und in Chile 1973?

 

Die DDR und die BRD standen über 40 Jahre in einem Bürgerkrieg, in einem kalten zwar, immer am Rande einer atomaren Katstrophe.

 

Als ich im Frühjahr 1990 noch unter dem frischen Eindruck der Herbstereignisse89 stand, habe ich mir viele Fragen gestellt:

 

    • Werden nun etwa neue Mauern errichtet?

 

    • Mauern gegenüber linken Andersdenkenden?

 

    • Mauern gegenüber jenen Werten, die aus der DDR in den Prozess der deutschen Vereinigung eingebracht werden könnten?

 

    • Mauern zwischen den Deutschen und ihren Nachbarvölkern, dessen Sicherheitsbedürfnisse zu respektieren sind? 

 

    • Mauern zwischen Deutschland und dem sozialistischen Kuba, das von den sozialistischen Ländern Europas allein gelassen wurde und sich seither mutig wehrt?

 

    • Mauern zwischen der NATO und der damals noch existierenden Sowjetunion?

 

Wenn ich mir diese Fragen nun fast dreißig Jahren später wieder beantworte, komme ich zu keiner anderen Erkenntnis als jener, dass die neuen Mauern dazu geführt haben, das die Welt von heute so durcheinander geraten ist wie sie jetzt ist. Die Welt von heute ist ohne Sowjetunion und ohne die DDR weder gerechter noch friedlicher geworden.

 

Heute geht es um alles – um Sein oder Nichtsein, Krieg oder Frieden. Dass man in dieser Zeit immer noch das Feindbild DDR braucht, zeigt, dass die herrschenden Politiker keine wirkliche Vorstellung von der deutschen Einheit haben.

 

Man kann die deutsche Einheit vielleicht herbeimoralisieren, indem man die Realitäten nicht zur Kenntnis nimmt.

 

Man kann sie – wie sich zeigt – schlecht herbeifinanzieren, weil es außer Geld auch noch andere Werte gibt.

 

Herbeikriminalisieren, indem man die DDR als Irrweg denunziert, kann man die Einheit auf keinen Fall.  Mehr Respekt für alle früheren DDR-Bürger wird nicht gelingen, solange man den Staat, auf dessen Boden diese Leistungen möglich wurden, verteufelt.  

 

Die Mauer in Berlin ist weg. Sie wurde nach Osten verschoben, besteht nicht mehr zwischen NATO und Warschauer Vertrag, sondern zwischen der NATO und Russland.

 

Sie ist folglich dort, wo sie im Prinzip an jenem 22. Juni 1941 verlief, als die Sowjetunion überfallen wurde. Am Vorabend des diesjährigen Tages der Einheit kam eine neue, eine sehr beunruhigende Meldung: „Die Nato plant für 2020 ein Manöver mit über 20.000 Soldaten. … geprobt werden soll dabei eine schnelle Verlegung von Truppen nach Polen und ins Baltikum. Das heißt wieder, ran an Russlands Grenzen. Dass Deutschland dabei eine zentrale Rolle einnehmen soll, ist für mich eine geschichtsvergessene Schande.

 

Das ist nun wahrlich nicht die Wende, die 1989 auf den Straßen der DDR gefordert wurde. Dreißig Jahre nach der Öffnung der Grenzübergänge in Berlin sollte es heißen: Ohne Russland kann es keine europäische Friedensordnung geben. Aus der deutschen Politik muss die Russophobie verbannt werden. Deutsche Politiker müssen gegenüber Russland einen anderen Ton anschlagen, der Freundschaft und Zusammenarbeit, nicht aber „Sanktionen“ und „Bestrafungen“ fördert. 

 

Wie Euch wahrscheinlich aufgefallen ist, spreche ich nicht vom Scheitern des Sozialismus, sondern von einer bitteren Niederlage.

 

Ist das nur eine formale Frage? Für mich nicht. Scheitern hat etwas Endgültiges an sich, Niederlage ist eher etwas Zeitweiliges. Wenn der Sozialismus gescheitet wäre, könnte das ja auch bedeuten, dass er auch in Zukunft keine Chance mehr hätte und der Kapitalismus doch das Ende der Geschichte wäre. China beweist schon heute das Gegenteil.

 

Der erste Anlauf für eine ausbeutungsfreie Gesellschaft, die Pariser Kommune, überdauerte 72 Tage, der zweite Anlauf, die Oktoberrevolution, hielt 72 Jahre und die DDR 40 Jahre. Der dritte Anlauf wird auch in Europa kommen. Wann und wie – das weiß heute niemand. Die Erfahrungen der DDR – die positiven wie negativen – werden dabei auf jeden Fall von Bedeutung sein.

 

Und deshalb sage ich: Wehren wir uns auch weiterhin dagegen, unser sinnvoll gelebtes Leben in den Schmutz ziehen zu lassen, tun wir auch weiterhin das uns Mögliche, damit nie wieder – wie es in der DDR – Nationalhymne heißt - eine Mutter ihren Sohn beweint  

 

 

 

Dr. Hartmut König (rechts im Bild) hat neben vielen bekannten Liedern und Gedichten immer wieder auch neue Lieder und Gedichte geschrieben- die sich in erste Linie an der aktuellen politischen Situation orientieren und somit hoch aktuell sind.

Wenn der Russe nicht wär

 

Der Altnazi:

 

Wenn der Russe nicht wär,

wär der Krieg nicht verloren.

Und die Welt hörte Deutsch

mit gehorsamen Ohren.

 

Russlands Weizen und Öl

unter deutschen Standarten.

Und der russische Bär

im Zoologischen Garten.

 

Unser Reich wäre groß

bis zum Japanischen Meer,

wenn der Russe nicht wär.

 

Die Rüstungslobby:

 

Wenn der Russe nicht wär,

müsste man ihn erschaffen.

Gegen Russland verkauft

man die herrlichsten Waffen.

 

Eigentlich wär es Zeit,

Arsenale zu leeren.

Denn der Russe ist stur,

und er würde sich wehren.

 

Unsre Arbeit ist schwer.

Und die Kasse wär leer,

wenn der Russe nicht wär.

 

Der Chef der Münchener Sicherheitskonferenz

 

Wenn der Russe nicht wär, (meine Damen und Herren,)

wär die Welt sehr vereinfacht.

Ein gewaltiger Schritt

zur transatlantischen Eintracht.

 

Dieses ewige Njet

zum Export unserer Werte!

Was der Kreml sich traut,

verlangt strafende Härte.

 

Die Geschichte liebt uns!

Und nur China läg quer,

wenn der Russe nicht wär.

 

Angela Merkel:

 

Hätt der Russe nicht bei

2+4 unterschrieben,

wäre ich FDJ

oder sonstwas geblieben.

 

Ich sprach Russisch mit Putin

wohl im Fall eines Falles.

Später ließ ich das sein,

die CIA hört ja alles.

 

Vielleicht schulde ich Dank.

Keine Kanzlerbank,

wenn der Russe nicht wär.

 

Ursula von der Leyen:

 

Wenn der Russe nicht wär, (und es ist mir wirklich wichtig, das zu betonen,)

hätten wir Konversion.

Das verdirbt die Moral.

Wobei: Wir haben sie schon.

 

Will ja nichts funktionieren,

was da taucht, fliegt und rollt.

Deshalb hab ich ja auch

schnell nach Brüssel gewollt.

 

Hab gen Moskau krakeelt.

Wär beinah nicht gewählt,

wenn der Russe nicht wär.

 

Siegmund Jähn:

 

Wenn die Russen nicht wär´n,

die im Orbit rumpesen,

wär´n die Deutschen im All

reichlich spät dran gewesen.

 

Kein „Sojus“ hätte mich

in den Weltraum geschossen.

Und es reist sich so schön

im engen Kreis von Genossen.

 

Erstes Deutschland im All

wäre nicht DDR,

wenn der Russe nicht wär.

 

 

Der KZ-Häftling:

 

Wenn der Russe nicht wär,

wär ich nicht mehr am Leben.

Wurde wiedergeborn.

Hatte mich aufgegeben.

 

Habe vieles vergessen.

Nie den Russen am Tor.

Der hatte noch Tränen,

die ich längst verlor.

 

Und was immer man lügt,

ich seh dieses Gesicht

und verrate es nicht.

 

 

 

Text: Hartmut König (2019)

 

 

 

 Mit ca. 150 Gästen war die Festveranstaltung sehr gut besucht worden.

Nach der Veranstaltung nutzten noch viele Gäste, sich ein Buch von Egon Krenz zu signieren oder bzw. auch erwarben Bücher und CD`s von Hartmut König.

Immer wieder kam es vor und nach der Veranstaltung zu herzlichen Begegnungen.

Die leere Flasche Bier, hatte ein Gast mitgebracht, weil dieses Bier von der Gaststätte Trotzenburg in Rostock gebraut wird und den Namen des Vereins trägt "RotFuchs".

Mit einer kurzen Danksagung vom Vorsitzenden, wurde die Veranstaltung beendet.

Danksagung/Abschlussworte

 

Liebe Gäste,

 

mit aktuell 41 Regionalgruppen ist der RotFuchs Förderverein e.V. ein fast bundesweit aktiver parteiunabhängiger Bildungsverein, welcher sich zum wissenschaftlichen Sozialismus bekennt und den Marxismus nicht als Dogma sieht sondern als Anleitung zum Handeln.

In unseren Leitsätzen heißt es unter Pkt.5 „ Die DDR war die größte Errungenschaft in der Geschichte der revolutionären deutschen Arbeiterbewegung, da sie dem Kapital für vier Jahrzehnte die politische Macht und das privatkapitalistische Eigentum an den entscheidenden Produktionsmittel entzog.

Wir verteidigen ihr Erbe und stehen sowohl zu den positiven Erfahrungen als auch zu Defiziten und Fehlern. Die Analyse der Gründe unserer schweren Niederlage bleibt wichtiges Anliegen der marxistischen Wissenschaft. Daran beteiligt sich der RotFuchs.“

Ich setze dieses Zitat aus unseren Leitsätzen ganz bewusst, nicht in unsere Begrüßung zur heutigen Veranstaltung, sondern in der Abschluss -Rede, weil wir auf der einen Seite deutlich machen wollen, dass wir in unserem Vereinsleben, nach unseren Leitsätzen leben, was Sie heute hier Live erleben durften, um so auch gleich den praktischen Beweis zu erbringen, aber wir wollen auf der anderen Seite auch deutlich machen, dass viele linksorientierte Menschen, ob Parteimitglied oder nicht, gemeinsam, als kleiner Verein nicht nur ein solches Event wie heute, sondern auch trotz aller individuellen unterschiedlichen Positionen, im Einzelnen, gemeinsam ein Ziel angehen können. Es soll auch Mut machen, dass jeder der ähnlich denkt und fühlt wie Ihr hier im Saal, dazu bei trägt, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse sich zu besseren ändern. Nun höre ich jetzt schon das Argument, dass unsere Generation mit Sicherheit einen erneuten Sozialismusversuch aus biologischen Gründen nicht mehr erleben wird, wieso also unser Einsatz dann. Dazu nur zwei Anmerkungen:

  1. Wir wissen, dass eine gesellschaftliche Veränderung vom Bewusstsein, also Überzeugungen getragen sein muss. Diese Überzeugungen müssen vermittelt werden. Das ist eine unserer vielfältigen Aufgaben heute.
  1. Mein Freund Dr. Carolus Wimmer aus Venezuela erklärte mir vor Jahren schon, dass in einer USA-Studie über mögliche Gefahren revolutionärer Veränderungen auf dem gesamten amerikanischen Kontinent, Venezuela als unwahrscheinlichste Region bewertet worden ist, wo sowas eintreten könnte.

 

Nun kann man sagen, die USA-Ideologen haben sich zum Glück geirrt. Wichtiger ist aber die Feststellung, dass überall heute in einem Land eine innenpolitische Situation eintreten kann, die eine mögliche revolutionäre Situation als Folge haben könnte. Denkt bitte an die Finanzkrise und die Hartz IV Gesetze. Letztere wurden von der SPD/Grünen- Regierung eingeführt und es entstand plötzlich eine Massenbewegung, die in den Montagsprotesten das Land über Monate überzog. Leider war zu diesem Zeitpunkt wie aktuell heute leider auch, die linke Bewegung inkl. ihrer Parteien zerstritten. Sogar die damalige PDS in MV hat z.B. sich in der Regierungsbeteiligung an der Umsetzung dieser härtesten unsozialen Maßnahmen in der Geschichte der BRD beteiligt und somit auch einen Beitrag für die Vernichtung der Massenproteste geleistet.

Das zeigt, wie wichtig und unerlässlich nicht nur eine ständige gesellschaftliche Analyse und die der eigenen fortschrittlichen Kräfte ist, sie belegen auf eindringlich Weise, dass neben den Grundkenntnissen der Lehren aus den Schriften von Marx, Engels, Lenin auch ein Bewusstsein vorhanden sein muss, um nicht nur die gegenwärtige Situation begreifen zu können, sondern auch entsprechende Maßnahmen davon ausgehend abzuleiten.

Dass wir diese Fakten Euch heute hier so vermitteln konnten, ist in erster Linie unserem Zeitzeugen Egon Krenz mit seinen Ausführungen zu verdanken. Dafür herzlichen Dank lieber Egon von uns, den Organisatoren und auch im Namen der anwesenden Gäste.

 Mit seinen kulturellen Beiträgen sagen wir auch unserem Hartmut König herzlichen Dank, ganz großartig.

Ein großes Dankeschön verdienen auch die vielen RotFuchsmitglieder und SympathisantInnen, die alle in ehrenamtlicher Arbeit, nicht nur unsere Veranstaltung heute organisiert haben, sondern auch für das leibliche Wohl gesorgt haben, wo neben selbstgebackenen Kuchen und belegten Brötchen, für den kleinen Hunger Abhilfe geschaffen worden ist.

Eine extra Würdigung möchten wir auch der Leiterin des SBZ und Ihren Mitarbeiterinnen aussprechen, da ohne deren zuvorkommende hilfsbereite Unterstützung, unsere heutige Veranstaltung gar nicht stattfinden hätte können.

Ich bitte nun Egon Krenz, Hartmut König und Heike Röhrs mit nach vorne.

Lieber Egon, diese Bilder stammen aus Privatbesitz und zeigen Dich aus jüngeren Zeiten mit Deinem ungarischen Amtskollegen beim Besuch unserer Marine der NVA auf Rügen. Als unser bescheidenes Dankeschön an Deinen heutigen Beitrag.

 

Lieber Hartmut, auch Dir möchten wir ein Bildnis überreichen, dass von dem revolutionären Matrosen am Rostocker Kabutzenhof, aus noch besseren Zeiten stammt, denn seit Jahren will man es eigentlich sanieren, aber man wartet wohl solange, dass es nicht mehr saniert werden kann. Herzlichen Dank für Deine Beiträge.

 

Heike Röhrs steht hier heute aus mehreren Gründen.

  1. Als Stellvertreterin für alle die fleißigen Helfer im Hintergrund und ganz vorne immer aktiv dabei. Sofort kam von ihr das Angebot, selbst zu backen und vor Ort mitzuhelfen, wie alle anderen ehrenamtlichen HelferInnen auch, unseren herzlichen Dank.
  2. Möchte wir Heike auch in unseren Reihen des RotFuchs herzlichst begrüßen. Heike gehört zu jene, die Ihr Wort auch in die Tat umsetzen und ich finde, von solch aufrichtigen Mitstreiterinnen kann es nicht genug geben. Herzlich willkommen im RotFuchs und viel Spaß in der Vereinsarbeit.

 

Ich möchte gleichzeitig die Gelegenheit nutzen, um für unseren Verein zu werben. Der Verein lebt von seinen aktiven Mitgliedern, wie von seinen solidarischen Spenden, um auch solche Veranstaltungen wie heute, aber auch generell unsere regelmäßigen Bildungsveranstaltungen durchführen zu können, ob in Rostock oder bundesweit. Jeder kann nicht nur jederzeit spenden, jeder kann auch Mitglied werden, wenn er sich mit der Vereinssatzung und den Leitsätzen des RotFuchs identifizieren kann.

 

Ich möchte mich nun bei Ihnen als Gäste herzlich für Ihr Kommen bedanken, gerne laden wir Sie zu unseren nächsten RotFuchsveranstaltungen ein.

Bevor wir nun die heutige Veranstaltung beenden, möchten wir uns bei all jenen Gästen aufs herzlichste bedanken, die für Kuba gespendet haben, die wie Venezuela wegen des verschärften Wirtschaftsembargo vor extremen Herausforderungen stehen.

Auf einer der nächsten RotFuchsveranstaltungen werden wir die Spendensumme bekanntgeben.

Wir wünschen noch einen schönes Rest-Wochenende, einen guten Heimweg.

 

Hiermit ist die Veranstaltung beendet.

 

 

 

 

Junge Gäste der Festveranstaltung ließen es sich nicht nehmen, ein gemeinsames Erinnerungsfoto mit Egon Krenz zu machen.

Mit zwei Erinnerungsfoto`s aus Privatbesitz, wo Egon Krenz auf Dranske (Insel Rügen) die Volksmarine besuchte, konnte als kleines Dankeschön Ihm eine Freude bereitet werden.

Mit einem Bild vom Matrosendenkmal "Der revolutionären Matrosen" vom Kabutzenhof in Rostock, konnte Dr. Hartmut König für seine kulturellen Beiträge als kleines Dakeschön, auch eine Freude gemacht werden.

Als Dankeschön für alle ehrenamtlich aktiven Helferinnen, wurde Heike herzlichst mit einer Kleinigkeit gedankt und auch noch als neues Mitglied im Verein herzlichst begrüsst.

Ein Abschlussbild von der Veranstaltung als Erinnerung mit v. l. Dr. Hartmut König, Dr. Henning Schleiff (letzter DDR-Oberbürgermeister von der Hansestadt Rostock), Dr. Marianne Linke, dahinter Carsten Hanke (Vorsitzender RotFuchs Rostock), Egon Krenz (letzter Staatsratsvorsitzender der DDR), Ulli Peck ( letzter 1. Sekretär der Bezirksleitung Rostock in der DDR).  

Hier finden Sie uns

Mail: hanke.lambrechtshagen@web.de
 

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