Mein Herz schlägt links
Mein Herz schlägt links
Mein Herz schlägt links
Mein Herz schlägt links

Mein

schlägt links

"Die Freiheit der Presse besteht darin kein Gewerbe zu sein"

Karl Marx

 

wahrheit

Pressefreiheit

 
 
 
US-Briefmarke zum Gedenken an die Pressefreiheit

Pressefreiheit bezeichnet das Recht von Rundfunk, Presse und anderen (etwa Online-) Medien auf freie Ausübung ihrer Tätigkeit, vor allem das unzensierte Veröffentlichen von Informationen und Meinungen. Die Pressefreiheit soll die freie Meinungsbildung gewährleisten. Details regelt das Medienrecht, speziell das Presserecht. Die Idee der Pressefreiheit wurde insbesondere in der Zeit der Aufklärung entwickelt.

In Deutschland gewährleistet Artikel 5 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland die Pressefreiheit gemeinsam mit der Meinungsfreiheit, der Rundfunkfreiheit und der Informationsfreiheit.

 

Liebe Leserinnen, Liebe Leser,

 

auf Grund zunehmender Kritiken über Unwahre Berichterstattungen in Rundfunk,-Fernsehen und verschiedene Presseerzeugnisse, sehe ich mich veranlasst, mit dieser Seite einen "kleinen" Beitrag zur Wahrheitsfindung zu leisten.

Auf dieser Seite werden neben verschiedene Beiträge auch eigene Beiträge zu den unterschiedlichsten sachverhalten öffentlich dargelegt.

Es soll auch den Leserinnen und Leser, bzw. Konsument von Rundfunk und Fernsehen dazu ermuntern aufmerksamer und kritischer die dargelegten Informationen zu hinterfragen und entsprechend zu bewerten. Gleichzeitig sollte es jeden auch ermuntern selbst seinen Beitrag zur Wahrheitsfindung zu leisten. Gerne können Sie/Du auch unter der Adresse im Impressum mir Ihre Beiträge zusenden.

Diese Seite wurde am 18.10.2016 eingestellt.

 

Carsten Hanke

 

 

" Die Minderheit der jeweils herrschenden hat vorallem, die Schule, die Presse und meistens auch die religiösen Organisationen in ihrer Hand. Durch diese Mittel beherrscht und leitet sie die Gefühle der großen Massen und macht diese zu ihrem willenlosen Werkzeugen"

Albert Einstein 1932 im Brief an Siegmund Freund

Zitat:

Willi Wimmer(CDU), ehemaliger parlamentarischer Staatssekretär im Bonner Verteidigungsministerium gab diesen Hetzmedien goebelischer Manier, den richtigen Namen

"Angriffsmedien", dem ist nichts hinzuzufügen.

RTDeutsch

Meinung

Andreas Kynast versteht keinen Spaß: Wie das ZDF Vorwürfe gegen RT und Sputnik erfindet

6.04.2020 • 20:14 Uhr

https://de.rt.com/25ko

 

© Screenshot ZDF-Sendung "Berlin Direkt"

"Sputnik behauptet, dass das Corona-Virus in Lettland entwickelt worden sein", sagt ZDF-Reporter Andreas Kynast. Dabei listet er einen ironisch gemeinten politischen Meinungsbeitrag als Fall einer "Desinformation" auf.

AddThis Sharing Buttons

Share to Facebook338Share to TwitterShare to RedditShare to MIXShare to TumblrShare to Vkontakte8

 

Folge uns auf

Die öffentlich-rechtlichen Medien wahren den Anschein der Seriosität – sie erlauben sich auch ab und zu ungefährliche Regierungskritik. Aber wenn es darum geht, RT und Sputnik böse Absichten zu unterstellen, schrecken sie vor groben Manipulationen nicht zurück.

von Wladislaw Sankin

Die massive Medienkampagne gegen RT und andere russische Medien, die vor wenigen Wochen in der Bild und beim Tagesspiegel begann, hat nun ihren Höhepunkt erreicht – das Thema durfte am Sonntag im ZDF die beste Sendezeit erhalten. Dabei haben die Journalisten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nicht nur wortwörtlich absurde Anschuldigungen vonseiten einer EU-Taskforce wiederholt, sondern mit eigenen "hausgemachten" Lügen und Verdrehungen gepunktet.

Mehr lesen:"RT Deutsch ist Teil des russischen Informationskrieges": Alte Mythen in Corona-Krise neu sortiert

 

Berlin direkt, die ZDF-Sendung aus der Mitte des politischen Geschehens um 19:15 Uhr am Sonntag, fing am 5. April vielversprechend an. Thema war die Kommunikation der Bundesregierung in der Corona-Krise. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen, das im Verruf steht, regierungsnah zu berichten, kritisierte im Beitrag sogar, dass die Regierung schlechte Kommunikation leiste und widersprüchliche Botschaften sende. Das "Beste" kam aber erst zum Schluss: russische und chinesische "Desinformation".

"Die EU hat Fälle der Desinformation und falscher Gesundheitshinweise in Bezug auf die Corona-Krise im Internet und in den sozialen Medien untersucht. Ihr Urteil: Sie werden auffällig oft von russischen und chinesischen Medien verbreitet" – mit diesen Worten moderierte die stellvertretende Leiterin des ZDF-Hauptstadtstudios Berlin, Shakuntala Banerjee, den letzten fünfminütigen Beitrag des ZDF-Korrespondenten Andreas Kynast an und übergab ihm das Wort.

East StratCom Tast Force: EU-Propagandawerkstatt

Die Quelle für die Anschuldigungen gegen russische Medien – ein EU-Organ mit dem für den gemeinen Zuschauer weniger schön klingenden Namen East StatCom Task Force –nannte sie jedoch nicht. Doch diese Quelle ist mehr als fragwürdig. Sogar ihr Chef Lutz Güllner gab indirekt zu, dass sein Team für "strategische Kommunikation" mit dem Auftrag, der russischen "Desinformation" zu entgegnen, im Verdacht steht, sich der geheimdienstlichen Methoden zu bedienen und als "Gedankenpolizei" aufzuspielen. "Wir sind kein Geheimdienst und keine Gedankenpolizei", sagte er in einer Web-Konferenz. Doch das ist verschlagen.

East StratCom Tast Force ist tatsächlich kein klassischer Geheimdienst, denn es agiert mit einer gewissen Transparenz. Die Fälle der angeblich aufgespürten Desinformation aus den "Pro-Kreml-Medien" sind penibel auf der Webseite aufgelistet. RT Deutsch hat bereits mehrere Fälle dieser "Fakes über Fakes" in einem Beitrag aufgelistet und auseinandergenommen. In regelmäßigen Abständen "alarmiert" East StratCom Task Force die westlichen Medien über eine erneute "russische Gefahr", und in nur wenigen Tagen fegt durch die ganzen Medien ein regelrechter Sturm mit gleich klingenden Vorwürfen.

Mehr lesen:EU-Kommunikationschef Güllner: Nicht nur Kreml betreibt Desinformation, auch der IS

 

Im aktuellen Fall hat aber nicht nur East StratCom Tast Force zur Kampagne gegen RT und Co beigetragen, sondern auch das Boulevardblatt Bild, das nicht nur die Vorwürfe manipuliert, sondern auch eine spezielle Beobachtung von RT Deutsch durch das Bundesamt für Verfassungsschutz wegen der Berichterstattung zur Corona-Krise hinzugedichtet hat. Auch das behördliche Dementi, dass die Beobachtung allgemein und nicht extra im Hinblick auf Corona stattfinde, konnte die Falschbehauptung nicht mehr stoppen: Die Ente war auf der Welt.

Sputnik: Auch Witz gehört zur Desinformation

Also, das ZDF ist bei diesem Thema grundsätzlich einem Fake und einer unzuverlässigen Quelle aufgesessen. Aber damit nicht genug: ZDF-Korrespondent Andreas Kynast gab der Story seine besondere "Note". Als Beispiel dafür, wie abstrus die russischen Medien überhaupt sind, sagt er gleich zu Anfang mit alarmierend bebender Stimme:

Das Virus könnte in Lettland entwickelt worden sein, behaupten Russlands staatliche Medien wie Sputnik Lettland.

Damit spielte er auf einen Sputnik-Beitrag in russischer Sprache vom 15. März an. Der Meinungsartikel "Corona-Virus wurde in Lettland erfunden? Warum nicht?" von der jungen Autorin Oksana Pych wurde 7.000-mal angeklickt. Die erste Frage: Warum muss ein Beitrag mit einer bescheidenen Leserzahl in russischer Sprache für ZDF-Zuschauer gefährlich sein? Eine Antwort darauf bleibt Andreas Kynast schuldig.

Warum erwähnt Kynast diesen Beitrag überhaupt? Er gehört zu den von der East StratCom Tast Force aufgespürten Fälle der russischen "Desinformation". Im ersten Teil des Artikels zählt die Autorin alle möglichen Fälle von "Verschwörungstheorien" nach dem Prinzip "Wem nutzt es" im ironischen Ton auf, je absurder desto besser: Corona könnte China helfen, die Hongkong-Proteste zu beenden, das gleiche gilt für Frankreich mit den Gelbwesten. Für Greta Thunberg könnte das Virus interessant sein – denn die Umwelt wird nicht mehr durch Flugzeuge und Touristen verpestet. Dann schreibt die Autorin einen Satz, der den kleinen baltischen Staat – damit die halbe EU laut East StratCom Task Force – und das ZDF erschüttern sollte:

Mehr lesen:"Nostradamus sagte Corona-Virus voraus ...": Neues aus EU-Propagandawerkstatt

 

Im Allgemeinen schätzen wir uns in Lettland natürlich nicht genug, und wir stimmen im Voraus dem zu, dass das Corona-Virus irgendwo in einem großen Land erfunden wurde. Aber gibt es nicht viele talentierte Biologen und Pharmazeuten in Lettland? Meldonium allein hat eine Gruppe von Sportlern aus einem Nachbarland und übrigens auch Maria Scharapowa außer Gefecht gesetzt...

Wer bemerkt spätestens hier keine Ironie? Ab diesem Punkt erwähnt Oksana Pych das Corona-Virus nicht mehr. Sie widmet sich kenntnisreich der lettischen Politik und wem die Anti-Corona-Maßnahmen nutzen könnten, z. B. um eine Oberbürgermeisterwahl in Riga zu verschieben oder einen Schuldigen für ausbleibende Rentenerhöhungen zu finden. Es ist ein ganz normaler sarkastischer Kommentar – und nicht wirklich böse gemeint. Am Ende findet die Autorin, die übrigens in Lettland lebt, doch noch gute Seiten in der Corona-Krise: Der Verkauf des Büchsenfisches "Rigaer Sprotten", eine in Russland beliebte lettische Spezialität, hat wegen der Hamsterkäufe zugenommen. Im Zuge der Russland-Sanktionen wurden sie vom russischen Markt genommen.

© Screenshot euvsdisinfo.eu

Spaß ist nicht erlaubt! In der EU und beim ZDF gelten publizistische Annahmen und rhetorische Kniffe als Desinformation – wenn sie von "Pro-Kreml-Medien" stammen.

Jeder, der russisch kann, stellt sofort fest, dass East StraCom Task Force und damit auch Andreas Kynast hier Ironie und rhetorische Kommentatoren-Kniffe für einen Fall der russischen vorsätzlichen "Desinformation" ausgeben. Oder dürfen die russischen Medien keine Witze machen? Und was ist mit der Meinungsfreiheit? Sie gilt offenbar dann auch nicht. 

Das Wort "Biolabor" darf nicht ausgesprochen werden

Doch damit nicht genug. Sputnik auf Spanisch und Arabisch werden in gleicher Manier unterstellt, den Ursprung des Virus in den NATO- oder US-Laboren zu suchen. Ob die beiden Sputnik-Artikel dies tatsächlich behaupten, kann hier wegen fehlender Sprachkenntnisse nicht untersucht werden. Dann schafft der ZDF-Autor den Sprung zu RT Deutsch – und zwar zum Videobeitrag unserer Reporterin Maria Janssen:

Mehr lesen:Die Welt zu Gast bei Feinden: Drei-Minuten-Hass im ZDF

 

Einige ukrainische Experten und Anwohner bringen die Ausbrüche der Krankheiten der letzten Jahre in den zahlreichen ukrainischen Städten mit der wachsenden Anzahl der amerikanischen Biolaboratorien in der Ukraine in Zusammenhang", sagt sie  in ihrem Beitrag "Gefährliche Forschung: Sinn und Zweck der Biolabore" in die Kamera. 

Hier endet das Zitat. Eine klare Verschwörungstheorie aus der Sicht des ZDF. Auch ohne jeglichen Bezug zur Frage, woher die Corona-Viren stammen, denn die RT Deutsch-Reporterin spricht von "den letzten Jahren" in der Ukraine, wo bislang nur ca. 1.000 Corona-Fälle festgestellt wurden. Es wird offensichtlich, dass Kynast an dieser Stelle manipuliert.

Dabei beruft sich Maria Janssen auf den ukrainischen Abgeordneten und ehemaligen stellvertretenden Staatsanwalt Renat Kusmin, der in einem bekannten Facebook-Eintrag vom 28. September 2018 die Existenz der US-Biolabore in der Ukraine bestätigte:

In der Ukraine arbeiten 15 (!) Laboratorien, in denen die amerikanischen Militärangehörigen tödliche Viren produzieren. Das geschieht nicht etwa irgendwo in einer amerikanischen Wüste, sondern in Odessa, Winnyzja, Uschgorod, Lwow,Charkow, Cherson und Ternopil. Mit dem stillen Einverständnis derjenigen, deren Pflicht es ist, Alarm zu schlagen. Allein schon wegen der Ausbrüche ungewöhnlicher Epidemien in der Ukraine wie der Vogelgrippe, den Masern, einer atypischen Lungenentzündung und der afrikanischen Schweinepest.

Maria Janssen nennt eine verdächtig hohe Anzahl an Todesfällen an Diphtherie und Botulismus in einigen der genannten Städte und schränkt dabei ausdrücklich ein: Ob sie tatsächlich etwas mit den US-Biolaboratorien zu tun haben, sei ungewiss. Aber egal wie sauber ein RT Deutsch-Journalist arbeitet – es ist ein leichtes Spiel, ihm etwas in den Mund zu schieben, wenn man das Zitat an der gewünschten Stelle abbricht.

Mehr lesen:"RT Deutsch instrumentalisiert die Corona-Krise": Die Vorwürfe gegen RT im Faktencheck

 

Verfrühte Freude über einen gelöschten DFP-Beitrag

Zwei "unabhängige" Experten runden den "russischen" Teil (denn im Beitrag geht es auch um chinesische "Propaganda") des Beitrags auf: die EU-Vizepräsidentin Věra Jourová und die Politikwissenschaftlerin Liana Fix von der Körber-Stiftung. Die beiden sagen mit fest eingepaukten Phrasen das Gleiche – Russland versucht mit diesen Falschnachrichten, die EU zu destabilisieren.

Ganz dramatisch wird es in dem Beitrag, als der ZDF-Journalist ein Zitatenspiel aus Überschriften unserer freien Autoren in deren Meinungsartikeln macht, wobei er die Betonung darauflegt, dass sie von einem russischen staatlich finanzierten Medium thematisiert werden. Am Ende findet eine symbolische Rache an RT Deutsch statt, als Kynast verkündet:

Den RT-Beitrag 'Epidemie, die nie da war' hat YouTube diese Woche gelöscht.

Doch auch das ist falsch. Der Beitrag war in der Tat vorübergehend nicht abrufbar, aber womöglich aus einem ganz banaleren Grund – wegen des Ausfalls der YouTube-Mitarbeiter im Zuge der Corona-Krise und den damit verbundenen Fehlern. Seit Sonntag ist der Beitrag wieder online.

© Screenshot ZDF

Vorsicht, Kritik! Andreas Kynast findet das nicht lustig. Vor allem, weil sie auf einer von Russland staatlich finanzierten Webseite erscheint.

Sonst hat Kynast noch einen ganz prominenten Sprecher in seinem Beitrag –Bundesaußenminister Heiko Maas. Er sagt:

Wir müssen dagegen etwas unternehmen. Wir wollen, dass die Menschen aufgeklärt sind, dass sie informiert sind, aber eben mit Fakten, die eben zutreffen, nicht mit solchen, die erfunden worden sind.

Bei aller gewöhnlichen Kritik vonseiten eines "russischen Mediums" an Heiko Maas – hier sagt er etwas Richtiges. Man muss sich an die zutreffenden Fakten orientieren und nicht an die, die erfunden oder – wie in diesem Beitrag – herbeimanipuliert worden sind. Hat hier der ZDF-Autor mit einem unterschwelligen Humor und versteckter Selbstkritik gepunktet? Nein. Todernst prophezeit er am Ende seines Beitrags:

Die Epidemie der falschen Nachrichten hat erst begonnen.

Das ist traurig. So wie er und die anderen deutschen Medien arbeiten, müssten wir uns künftig darauf einstellen, unsere medienkritische Kolumne von nun an täglich zu führen. Eine düstere Aussicht.

 

--------------------------------------------------------

Zum Umgang mit FakeNews und Verschwörungstheorien zur Corona-Pandemie: DIE LINKE. BAG Antifaschismus
https://www.bag-antifaschismus.de/nc/start/beitraege/detail/news/zum-umgang-mit-fakenews-und-verschwoerungstheorien-zur-corona-pandemie/ 1/3
Zum Umgang mit FakeNews und Verschwörungstheorien zur Corona-Pandemie
Bei außerordentlichen Ereignissen, Krisen und Katastrophen nehmen Falschmeldungen zu und entstehen Verschwörungstheorien zur Ursache der Katastrophe, so auch jetzt im Zusammenhang mit der CoronaPandemie. Diese Beitrag soll helfen, aufzuklären, wie FakeNews und Verschwörungstheorien entstehen, und wie sie von echten Meldungen unterschieden werden können. Zum Umgang mit FakeNews und Verschwörungstheorien zur Corona-Pandemie Gerüchte und Falschmeldungen gibt es seit Menschen untereinander Nachrichten übermitteln. Im digitalen Zeitalter finden FakeNews im Internet und über soziale Medien schnell weltweite Verbreitung. Auch Verschwörungstheorien sind kein neues Phänomen. Bei außerordentlichen Ereignissen, Krisen und Katastrophen nehmen Falschmeldungen zu und entstehen Verschwörungstheorien zur Ursache der Katastrophe, so auch jetzt im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Sie kursieren vor allem in rechten und esoterischen Kreisen. Doch auch unter Mitgliedern der Linken werden derzeit häufiger FakeNews geteilt. Daher soll diese Handreichung helfen, aufzuklären, wie FakeNews und Verschwörungstheorien entstehen, und wie sie von echten Meldungen unterschieden werden können.
 
Was sind FakeNews? FakeNews sind meist absichtlich im Internet verbreitete Meldungen, um Hass und Hetze zu verbreiten, oder Klickzahlen in die Höhe zu treiben.  Hinter FakeNews steckt selten ein geschlossenes Weltbild. Oft sind es Bilder oder Meldungen, die einfach aufgrund ihrer emotionalen Wirkung Verbreitung finden. So wurde zum Beispiel die Meldung, dass in den Kanälen Venedigs Delfine gesichtet wurden, hierzulande von einigen Online-Medien aufgegriffen. Dahinter steckt die Sehnsucht nach positiven Nachrichten hinter all den Schreckensmeldungen. Die Idee, dass sich die Natur ihren Raum zurückerobert, löst Hoffnung aus. Leider waren das FakeNews. Das Bild von den Delfinen wurde hunderte Kilometer von Venedig entfernt im Hafen von Sardinien aufgenommen (siehe auch Beitrag bei National Geographic).
 
Was sind Verschwörungstheorien? Bei einer Verschwörungstheorie wird angenommen, dass eine im Verborgenen arbeitendende Gruppe oder ein kleiner Zirkel innerhalb der Regierung beabsichtigt die Katastrophe durch ihr Handeln herbeigeführt hat und damit eigene Interessen verfolgt. Gerade bei Ereignissen mit weltweiten Folgen, die ein Gefühl der Bedrohung auslösen, haben viele Menschen das Bedürfnis, für die komplexen Zusammenhänge eine verständliche Erklärung zu finden. Mit der Annahme, eine mehr oder weniger klar benannte Gruppe von Akteuren trage die Verantwortung, wird die Vorstellung verknüpft, dass die vermeintlichen Verursacher zur Verantwortung gezogen oder ausgegrenzt werden könnten, und so die Folgen der Krise oder Katastrophe eingedämmt werden und Handlungsmacht wiedererlangt werden könne. Typische Merkmale von Verschwörungstheorien: Identifikation von Schuldigen Das kann allgemein eine Gruppenzuschreibung sein ("die Flüchtlinge", "die Regierungen"), oder eine (meist nicht klar benannte) Gruppe, die im Geheimen agiert. Häufig wird in dem Zusammenhang die Frage "Cui bono?" - "Wem nutzt es?" gestellt, und somit (vermeintlichen) Nutznießern der Krise unterstellt, zugleich Auslöser zu sein. So wurde unter anderem behauptet, die Hersteller von Tests und die Pharmakonzerne würden absichtlich "Panikmache" betreiben, um sich zu bereichern. Komplexitiätsreduktion Ursachen und Zusammenhänge werden vereinfacht dargestellt, um die Bedrohung konkreter und greifbarer zu machen, oder weniger bedrohlich erscheinen zu lassen. So behauptet zum Beispiel der Lungenarzt Wolfgang Wodarg, dass Coronaviren schon lange existieren und regelmäßig zu Todesfällen in der Grippesaison führen. Was er dabei außer Acht lässt, ist die Tatsache, dass es sich bei SARS-COV2 um
4.4.2020 Zum Umgang mit FakeNews und Verschwörungstheorien zur Corona-Pandemie: DIE LINKE. BAG Antifaschismus
https://www.bag-antifaschismus.de/nc/start/beitraege/detail/news/zum-umgang-mit-fakenews-und-verschwoerungstheorien-zur-corona-pandemie/ 2/3
eine neuartige Version eines Coronavirus handelt, dass sich viel schneller verbreitet und in deutlich mehr Fällen zu schweren Verläufen führt. Das exponentielle Wachstum führt nicht nur zu einem Anstieg der Erkrankungen, sondern damit auch zu einer Überlastung der Gesundheitssysteme. Anzweiflung von Experten, Ablehnung einer "offiziellen Version" Haben sich Menschen eine Vorstellung von einer Verschwörung angeeignet, müssen sie diese verteidigen, da andernfalls ihr "Wissen", ihre "Expertise" und damit auch ihr Selbstbild in Frage stünde. Das hat zur Folge, dass Aussagen von Wissenschaftlern oder Berichterstattung von Medien angezweifelt werden. Unerklärliches oder Widersprüche der eigenen Erklärungsmuster werden verdreht und als Beleg für die Verschwörung herangezogen.
 
Wie können FakeNews und Verschwörungstheorien erkannt werden? Doppelter Quellencheck - Aus welcher Quelle stammt die Meldung? Gilt die Quelle als seriös (im wissenschaftlichen oder journalistischen Sinn)? Berichten auch noch andere Medien darüber? Belege - Wie werden die Behauptungen belegt? Welche Quellen werden genannt? Werden Expert*innen befragt? - Achtung: auch Bildmaterial kann gefälscht sein, und nicht jeder Befragte mit Doktortitel ist auch ein Experte für angesprochene Thema
 
Was tun? Nicht weiter verteilen. Widersprechen und widerlegen. -> Solange hinter der Verbreitung von Falschmeldungen und Verschwörungstheorien noch kein geschlossenes Weltbild steht, hilft sachliche Aufklärung. Wichtig dabei: nicht den Gegenüber angreifen, das führt oft automatisch zu einer Verteidigungshaltung und einem stärkeren Festhalten an der verbreiteten These. Stattdessen sollten freundlich auf andere Quellen und Widersprüche in der verbreiteten Meldung hingewiesen werden. Verliert euch nicht in Detailsdiskussionen. Die wenigsten von uns haben Expertise in Virologie, statt Fachkenntnisse im Detail nachzuprüfen, ist es ratsam, die Plausibiltät von Aussagen und Seriosität der Expertenaussagen einzuschätzen. Aufklären. Es gibt viele Medien und Organisationen, die sachlich die aktuellen Informationen rund um die CoronaPandemie aufbereiten, kursierende Falschmeldungen durchleuchten und aufklären. Hier findet ihr eine Reihe von Links, die dabei helfen können:
 
Faktenchecks: Faktenfinder der Tagesschau -> www.tagesschau.de/faktenfinder/ Mimikama -> www.mimikama.at Correctiv ->  www.correctiv.org/faktencheck
 
Blogs und andere Beiträge zu Verschwörungstheorien im Zusammnhang mit der Corona-Pandemie: Video zu Verschwörungstheorien um das Coronavirus veröffentlicht bei FUNK
4.4.2020 Zum Umgang mit FakeNews und Verschwörungstheorien zur Corona-Pandemie: DIE LINKE. BAG Antifaschismus
https://www.bag-antifaschismus.de/nc/start/beitraege/detail/news/zum-umgang-mit-fakenews-und-verschwoerungstheorien-zur-corona-pandemie/ 3/3
Interview mit Martina Renner, MdB, bei Radio F.R.E.I. zu Verschwörungstheorien in Zeiten von Corona Blogeintrag bei In-Mind, ein ehrenamtliches Projekt der Wissenschaftskommunikation mit dem Schwerpunkt Psychologie Jüdisches Forum für Demokratie und gegen Antisemitus mit einem Beitrag darüber, wie antisemitische Verschwörungstheorien mit der Corona-Pandemie verknüpft werden SciLogs ist ein Wissenschaftsblog, der sich in diesem Beitrag mit dem Problem der Wissenschaftsleugnung in Zeiten von Corona befasst Aufklärungsbeitrag zu den Thesen von Wolfgang Wodarg Interview auf Deutschlandfunk mit Konfliktforscher Andreas Zick zur Verbreitung von Verschwörungstheorien zur Corona-Pandemie in rechten Netzwerken
 
Weiterführende Literatur zu Verschwörungstheorien: Handreichung der Amadeu-Antonio-Stiftung zum Umgang mit Verschwörungstheorien

Rationalgalerie : Eine Plattform für Nachdenker und Vorläufer

 

-------------------------------------------------------

Aus: Ausgabe vom 07.01.2020, Seite 8 / Abgeschrieben

Rechter Propaganda aufgesessen

44 TV-Autorinnen und -Autoren bekannter Satire- und Comedyshows – unter anderem »Heute-Show« und »Neo, Magazin Royale« – bekundeten in einer Erklärung ihre Solidarität mit WDR-Kollegen wegen des »Umweltsau«-Liedes, das rechte Scharfmacher und Neonazis genutzt haben, um gegen Journalisten zu hetzen:

Wir als Fernsehautorinnen und -autoren erklären uns solidarisch mit den Kolleginnen und -kollegen vom WDR, die von ihrem Arbeitgeber aufs fahrlässigste alleingelassen werden, und fordern die sofortige Wiederonlinestellung des »Umweltsau«-Beitrags. Der Streit um das Lied entbehrt jeder rationalen Grundlage. Selbst das Wort »Satirefreiheit« scheint unangemessen, wenn die Empörungsschwelle so niedrig liegt, dass sie auch von jedem zweiten Popsong gerissen wird. Eine (!) fiktionale Oma diskriminiert genausowenig eine ganze Generation wie der Alkoholikervater aus »Papa Was a Rollin’ Stone« nicht alle Männer für untauglich erklärt.

Der Skandal ist ein anderer: Die Skandalisierung des Liedes folgt gut bekannten Mustern rechter Trolle. Diese wissen um die Absurdität ihrer Vorwürfe und missbrauchen den eigentlich sinnvollen Reflex unserer Zivilgesellschaft, andere nicht verletzen zu wollen. Sie »hacken« damit den Diskurs, bekommen Aufmerksamkeit und sorgen für eine Verschiebung des Denk- und Sagbaren in ihre Richtung. Eine inhaltliche Debatte ist deshalb nicht nur unnütz – sie ist gar nicht möglich. (WDR-Intendant, jW) Tom Buhrow ist mit seiner Reaktion auf den künstlich erzeugten Skandal in eine Falle getappt, aus der er ohne massiven Glaubwürdigkeitsverlust nicht mehr herauskommt. Ein Medienmanager, dessen Umgang mit moderner, rechter Propaganda von so viel Naivität und Ungeschicktheit zeugt und der nicht in der Lage ist, sich in einfachsten Fragen der Presse- und Meinungsfreiheit vor seine Mitarbeiterinnen und -mitarbeiter zu stellen, gefährdet eben diese Freiheiten. Er sollte die Konsequenzen ziehen.

 

Die Linke Bremen setzt sich für einen Gedenkort für Laye-Alama Condé ein:

Am 7.1.2005 verstarb Laye-Alama Condé an den Folgen einer zwangsweisen Verabreichung von Brechmitteln in Polizeigewahrsam. Nachdem Condé, zeit seines Lebens nicht vorbestraft, wegen des Verdachtes auf Drogenhandel vorläufig festgenommen und in das Polizeipräsidium In der Vahr gebracht wurde, fesselte man ihn dort und verabreichte ihm zwangsweise Brechmittel über eine Magensonde. Während dieser Prozedur musste Condé mehrmals erbrechen, wobei sich seine Vitalparameter zunehmend verschlechterten. Condé fiel ins Koma, wurde in ein Bremer Krankenhaus gebracht und verstarb dort an Sauerstoffmangel durch Ertrinken als Folge des zwangsweisen Brechmitteleinsatzes. Des weiteren wurden im Krankenhaus ein Lungenödem und eine Hirnschädigung diagnostiziert. Im Land Bremen wurde die Praxis der Brechmittelvergabe von 1991 bis zum Tode von Condé eingesetzt, obwohl Ärzte und Experten seit Beginn der Verabreichung dies als gefährlich und unverhältnismäßig kritisierten. (…) Annika Port von der Bremer Linksfraktion fordert nun, zeitnah die notwendigen Entscheidungen zur Errichtung eines Gedenkortes zu treffen: »Nach 15 Jahren ist es längst überfällig, dass Bremen auch im Falle von Laye-Alama Condé der Verantwortung gerecht wird und ein Zeichen setzt, dass so etwas nie wieder passieren darf.« (…)

 

 

-------------------------------------------------------

WDR treibt die "Umweltsau" durchs Dorf

 

02. Januar 2020 um 13:32 Ein Artikel von: Tobias Riegel

„Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ bewegt die Gemüter. Der Vorgang um die WDR-Version des Kinderlieds fügt jedoch allen Beteiligten Schaden zu: Einerseits wurde dabei ein infamer und spaltender Beitrag fälschlich als Satire bezeichnet und es wurden dafür Kinder eingespannt. Andererseits haben sich viele Menschen davon zu einer übertriebenen und ablenkenden Empörung anstacheln lassen. Deshalb wiederum hat der WDR eine kritikwürdige Löschung veranlasst. Insgesamt ist die Debatte von Heuchelei geprägt: Es geht um Klimaschutz, soziale Spaltung, Altersarmut und sprachliche Verrohung. Von Tobias Riegel.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Podcast: Play in new window | Download

Der Vorgang um das vom WDR umgedichtete und vom Kinderchor des Senders umgesetzte Kinderlied „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ hat zum Jahreswechsel zahlreiche Gemüter bewegt (man kann das vom WDR gelöschte Video unter diesem Link noch ansehen). Allein diese Hysterie begründet die nähere Betrachtung eines Ereignisses, das man zu anderen Zeiten als Petitesse abgetan hätte: Auffallend ist hier nicht die Brisanz, sondern die Nichtigkeit des Vorgangs. In diesem Sinne wird er zu einem Beispiel der erschöpfenden und dadurch systemerhaltenden Empörung. Zudem muss man feststellen, dass sich alle Beteiligten selber beschädigt haben.

Verunglücktes Lied

Das Lied selber ist aus mehreren Gründen als verunglückt zu bezeichnen: Zum einen werden diffamierende Kraftausdrücke wie „Meine Oma ist ‚ne alte Umweltsau“ mit dem unzutreffend erscheinenden Etikett „Satire“ beschützt. Diese Umettikierung sprachlicher Degeneration (ohne inhaltliche Grundierung) konnte man bereits beim „Ziegenficker“-Gedicht von Jan Böhmermann feststellen – in Form einer sprachlichen Unterbietung durch den WDR rächt sich nun, dass diese Form der billigen, beleidigenden und inhaltsarmen Tirade so offensiv (und fälschlich als Satire) verteidigt wurde.

Zum anderen hat das „Oma“-Lied des WDR einen spaltenden und alten-feindlichen Charakter. Und es transportiert sozialpolitisch abwegige Botschaften, etwa indem billige Lebensmittel indirekt diffamiert werden. Außerdem wurden bei der Produktion Kinder instrumentalisiert, die die Tragweite der Aktion nicht abschätzen können. Zu guter Letzt wird im Text auch Heuchelei transportiert – die würde mutmaßlich deutlich werden, wenn man die CO2-Abdrücke der besungenen „Omas“ mit denen der singenden Kinder vergleichen würde.

Verunglückte Reaktionen

Dieser in mehrfacher Hinsicht bedenkliche Charakter des Videos rechtfertigt aber weder die Intensität der nun erlebten Aufregung vonseiten zahlreicher Bürger noch die übereilt vollzogene Löschung des Beitrags durch den WDR. Zur Empörung ist zu sagen, dass diese eine gerechtfertigte Erregung teilweise weit überstiegen hat. Die von Medien beschriebenen Morddrohungen gegen die Autoren des Beitrags sind scharf zu verurteilen. Und diese sind nur die Spitze eines Eisbergs: Darunter verbirgt sich die anscheinend verbreitete und anmaßende Haltung, den öffentlichen Raum von Äußerungen „säubern“ zu wollen, die einem gegen den Strich gehen. Diese Haltung steht im konkreten Fall jedoch in klarem Widerspruch zu den Forderungen, die „eigenen“ Positionen vor Zensur zu schützen. Etwa beim Fall des Kabarettisten Uwe Steimle, den die NachDenkSeiten kürzlich hier beschrieben haben, waren die Vorzeichen eher „andersherum“.

Beim WDR-Kinderlied kommt erschwerend der Aspekt der instrumentalisierten Kinder hinzu – aber davon abgesehen kann man, grob zugespitzt, formulieren: Sowohl Steimle als auch das WDR-Kinderlied hätten von den jeweiligen Kritikern ausgehalten werden müssen. Auf die Frage, ob die aktuelle Kritik an dem Lied nur aus der „rechten“ Ecke kommt, wird weiter unten eingegangen.

WDR liegt gleich zwei Mal falsch

Der Sender hat beim Vorgang um das Kinderlied gleich zwei Mal falsch reagiert: Zum einen, als er den Beitrag fahrlässig die interne Prüfung passieren ließ. Zum anderen, als er den Beitrag durch das schnelle Einknicken vor einem sich anbahnenden Shitstorm löschen ließ: Mehr als 40.000 Facebook-Kommentare hatten sich allein bis Sonntagvormittag beim Westdeutschen Rundfunk angesammelt, wie Medien berichten. Der WDR hatte das Video schon am Freitagabend von der WDR2-Facebookseite gelöscht und hatte sich „für die missglückte Aktion“ entschuldigt.

Diese schnelle Reaktion erstaunt aus zwei Gründen: So werden andere mutmaßliche inhaltliche Verzerrungen – etwa zu den Themen NATO oder Sozialpolitik – teils erheblich stärker verteidigt. Und der WDR lädt durch das Einknicken zum nächsten, das Programm „kontrollierenden“ Shitstorm wahrscheinlich geradezu ein. Für die Löschung und eine dadurch empfundene mangelnde Unterstützung der Autoren wird der WDR mittlerweile scharf kritisiert, etwa von der Gewerkschaft Verdi, die erklärt:

„Designierter ARD-Vorsitzender fällt Mitarbeiter*innen in den Rücken: Mit seiner Reaktion auf einen von rechtsaußen dominierten Shitstorm, das Video von WDR 2 mit einer Satire-Version von „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ zu löschen, hat WDR-Intendant Tom Buhrow Fakten geschaffen. (…) Buhrow hat mit der Löschung in die innere Rundfunkfreiheit eingegriffen und damit den beteiligten Kolleg*innen die Rückendeckung genommen. Mit seiner persönlichen Entschuldigung beim empörten Teil des Publikums in einer WDR2-Callin-Sendung kam dann noch ein zusätzliches „in den Rücken fallen“ obendrauf.“

Und auch SPD-Chefin Saskia Esken schreibt laut Medien auf Twitter:

„Mich beunruhigt das, wenn Journalisten, Medienschaffende, Künstler in diesem Land keine Rückendeckung haben, weil Verantwortliche einem Shitstorm nicht standhalten.“

In diesem Sinne argumentiert auch LINKEN-Chef Bernd Riexinger:

„Die Empörungswelle rund um das Satire-Video des WDR entbehrt jedweder Realität und Normalität. (…) Dass der WDR-Intendant sich nicht sofort konsequent hinter die Beteiligten gestellt hat, ist unverständlich und töricht.“

Kritik nur von „rechtsaußen“?

Kritisiert werden soll hier aber auch die vereinfachende Betrachtung der Bürgerwut gegen das Lied durch einige Beobachter. Denn wenn man dem Unmut pauschal unterstellt, von „rechtsaußen“ zu kommen, dann werden dadurch zahlreiche Bürger, die sich (aus guten Gründen) über das Video geärgert haben, nach „rechtsaußen“ gestellt – und das, ohne Nazi zu sein oder die Löschung gefordert zu haben. Manche medial so verfrachtete Bürger verbleiben dann womöglich in dieser ihnen zugewiesenen „rechten“ Ecke – ein fatales Ergebnis.

Zum Inhalt des Lieds soll wiederholt werden, dass hier das Etikett „Satire” nicht so recht passt. Sollte sich Satire nicht an den Mächtigen abarbeiten? Das Lied tut das Gegenteil: Es spaltet die Schwachen (in Alt und Jung) und es suggeriert falsche Verantwortlichkeiten: So macht die Oma nicht den Preis des Discount-Fleisches – zusätzlich würde sich manche von Altersarmut betroffene Dame vielleicht gerne edleres Fleisch kaufen, kann es sich aber nicht leisten. Und auch die Aussage „Motorradfahren ist voll cool“ entspringt eher einer milliardenschweren Werbeindustrie als älteren Individuen. Diese Kritik ist jedoch kein Grund, die Zensur eines bereits erschienenen Beitrags zu fordern. Die Gesellschaft muss lernen, solche Dinge manchmal einfach auszuhalten.

Empörung als Beschäftigungstherapie

Um es ganz deutlich zu sagen: Die im Song ausgedrückte Forderung nach Klimaschutz ist prinzipiell sehr berechtigt, das Engagement der Jugend ist begrüßenswert – aber in der im konkreten Song präsentierten Form richtet es sich eben auch gegen Schwächere, darum erscheint die Produktion, auch durch die nicht adressierten Verantwortlichen aus der Groß- und der Werbeindustrie, eher systemerhaltend.

Andererseits hat auch die erlebte Form der massiven Empörung diesen erhaltenden und ablenkenden Charakter: Es kann dadurch der Eindruck entstehen, dass die fiktive Umbenennung einer fiktiven „Weihnachtswurst“ oder eben das Umtexten eines Kinderlieds dramatischer erscheinen als Altersarmut oder eine kaputtgesparte Verwaltung – denn diese empörenden wirtschaftspolitischen Fakten rufen nicht annähernd die gleiche Aufregung hervor. Einige der nun über das WDR-Lied empörte Menschen wählen (dieser vor allem sprachlichen Symbolen verhafteten Haltung entsprechend) mutmaßlich die AfD – also eine systemerhaltende Partei, die nur scheinbare und nur sprachlich-symbolische Veränderungen vorantreiben möchte – und die etwa auf dem Gebiet der Sozial- und Wirtschaftspolitik für den „kleinen Mann“ nichts, aber auch gar nichts, zu bieten hat.

Einmal mehr erscheint es angesichts dieses Beispiels des Kinderlieds, als sei „Empört Euch!“ eine zumindest ungenügende Haltung.

Zum medial geschürten „Konflikt zwischen den Generationen“ haben die NachDenkSeiten kürzlich diesen Artikel veröffentlicht. Zur medialen Tendenz, zahlreiche gesellschaftliche Spaltungen mit dem Ziel der Ablenkung und der Beschäftigung zu fördern, wurde dieser Artikel veröffentlicht.

 

Hier finden Sie uns

Mail: hanke.lambrechtshagen@web.de
 

Kontakt

Druckversion Druckversion | Sitemap
© www.hanke-mv.de